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Preußische Allgemeine Zeitung
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Befreiung oder Niederlage oder was?
Der 8. Mai und seine Vorgeschichte
von Gerd Schultze-Rhonhof, Generalmajor a. D.

2. Folge

30 Abgeordnete des Deutschen Bundestages haben in einem Antrag an das Hohe Haus angeregt, der jüngeren Generation das Bewusstsein über die Ursachen, die Geschichte und die Folgen des Krieges zu schärfen. Dies ist der zweite von fünf Beiträgen, den der VdS dieser Anregung folgend jugendlichen Lesern zum Thema „Ursachen des Krieges“ zur Verfügung stellt.

Ursachen brauen sich über lange Zeit zusammen.

Die Ursachen, die zum Zweiten Weltkrieg führen, liegen wie bemalte Glasscheiben übereinander. Ganz klar sieht man nur das bunte Bild auf dem obersten, zuletzt aufgelegten Glas. Das Bild auf der nächsten, darunter liegenden Scheibe ist noch erkennbar, doch schon erheblich matter. Die Bilder auf den unteren, älteren Glasplatten schimmern nur noch ganz schwach durch, doch ihre Farben und Konturen sind noch immer ein Teil dessen, was man von oben sieht. So zeigt das Oberflächenbild, dass 1939

  • - Deutschland über Polen herfällt,

  • - Russland sich die Hälfte Polens raubt,

  • - Polen dabei nur das Opfer ist,

  • - Frankreich und England den bedrängten Polen helfen

  • - und die Vereinigten Staaten von Amerika zu guter letzt die Helfer unterstützen und retten.

Doch schon das Bild darunter - von 1920 an - zeigt die schweren Menschenrechtsverletzungen an den 11 Millionen Menschen der nichtpolnischen Minderheiten im Vielvölkerstaat Polen. Die Drangsalierung der Millionen von Ukrainern, Deutschen und Weißrussen in Polen nimmt 1939 Formen an, dass schon sie allein ein Kriegsgrund für die Sowjetunion und Deutschland gegen Polen hätten sein können. Zum Bild auf dieser zweitobersten Glasscheibe gehören außerdem der deutsch-polnische Streit um Danzig und um freie Verkehrsverbindungen durch den „polnischen Korridor“ ins damals vom Reich abgetrennte Ostpreußen und die noch offene sowjetische Rechnung für die Gebiete der Ukraine und Weißrusslands, die ihnen Polen 1920 abgenommen hatte. Auf einer weiteren Schicht darunter sind die Rüstungswettläufe der Amerikaner, Briten und Japaner ab 1920 erkennbar, die Rüstungsaufholjagd der Sowjets ab 1930, die von den Franzosen bis 1933 blockierten Genfer Abrüstungsverhandlungen und dann die deutsche Wiederaufrüstung ab 1934. Aus den Schichten tieferer Gläser schimmern noch die Demütigungen bis oben durch, die die Siegermächte 1920 den Deutschen, den Österreichern und den Ungarn durch „Versailles“ und die entsprechenden Verträge bereitet hatten, die Kriegsvorbereitungen der Briten ab 1906 gegen das kaiserliche Deutschland (1), die Rache der Franzosen für ihre 1871 erlittenen Gebietsverluste und die Demütigung der Polen bei den drei Teilungen ihres Staates aus der Zeit davor. Dieses alles und viel anderes mehr zeigt 1939 Wirkung.

Nun kann die gesamte Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs in einer kurzen Abhandlung, wie dieser, nicht mit allen früheren Ansprüchen, Vertragsbrüchen, Kriegen und „alten Rechnungen“ nachgezeichnet werden (2). Hier soll nur folgen, wie Deutschland, Polen und die Sowjetunion auf ihren Krieg von 1939 zusteuern.

Polen im Streit mit allen seinen Nachbarn.

Das polnische Drama von 1939 braut sich seit 1918 in einer nur kurzen, doch turbulenten Vorgeschichte unheilvoll zusammen. Die schwierige Neuregelung der territorialen Abgrenzung zwischen dem wiedererstandenen Polen und seinen Nachbarn wird im Januar 1918 durch den Präsidenten der USA Wilson vorgezeichnet. Wilson verlangt in seinen berühmten 14 Punkten:

„Es soll ein unabhängiger polnischer Staat errichtet werden, der die von unbestreitbar polnischer Bevölkerung bewohnten Gebiete umfassen soll und dem ein freier und sicherer Zugang zum Meer gewährleistet werden soll.“

Die unklaren Formulierungen in dieser Forderung erzeugen eine ungeheuere Sprengkraft in allen späteren Gebiets- und Grenzregelungen, die für Polen und alle seine Nachbarn gelten werden. Die Worte „unbestreitbar polnische Bevölkerung“ erwecken bei den Polen die Erwartung, dass jeder Landstrich, auf dem Polen leben, in Zukunft polnisch wird. In Russland Österreich, Litauen und Deutschland denkt man dabei eher an die Territorien, auf denen die Polen eine Mehrheit bilden. Wilson proklamiert zudem das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ als Leitprinzip der territorialen Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg. Bei den besiegten Völkern erzeugt es daher Verbitterung, dass das versprochene Selbstbestimmungsrecht der Völker in den Verträgen von Versailles und Saint-Germain nicht eingelöst wird. Im Falle Danzigs und des „Korridors“ löst der dauerhafte Bruch des Selbstbestimmungsrechts den Zweiten Weltkrieg aus.

Die zweite Formulierung, die Zündstoff birgt, liegt in den Worten vom „freien und sicheren Zugang zum Meere“. Wilson denkt dabei zwar zunächst nur an bloße Wegerechte, wie sie ja auch der neuen Tschechoslowakei auf der Elbe zugestanden werden. Aber für die Staaten, die in Versailles das neue Polen konstruieren, ist das durchaus nicht klar. Sie machen daraus den ganzen Landstrich Pommerellen einschließlich der Stadt Danzig. Die so interpretierte Wilson-Formulierung verleitet die Regierung Polens zwei Jahrzehnte später zu einer steifen Haltung in der Danzig-Frage. Da Deutschland diesen freien Zugang ab 1938 auch außerhalb von Danzig garantiert, berufen sich sowohl die Polen als auch die Deutschen 1939 auf diese Wilson-Forderung und gehen damit in den Krieg, beide im Bewusstsein, Recht zu haben.

Der neu gegründete Staat Polen bekommt von den Siegermächten Land und Menschen aus dem Bestand der Nachbarvölker zugesprochen. Dabei befinden sich viele Millionen Menschen, die keine Polen sind und es auch nicht werden wollen. Dennoch sind die Polen mit ihren Landgewinnen nicht zufrieden.

Das neue Polen – kaum gegründet – stellt 1918 aus den ehemals deutschen, österreichischen, ungarischen und russischen Weltkriegssoldaten polnischer Nationalität ein starkes Heer auf und beginnt, sich nach drei Himmelsrichtungen zu Lasten seiner Nachbarn Russland, Deutschland, Litauen und Tschechoslowakei angriffsweise auszudehnen. Die ersten drei genannten Staaten sind zu der Zeit durch die Revolution im eigenen Lande bzw. den verlorenen Krieg so schwach, dass sie sich der Polen kaum erwehren können. So sind die Konflikte der nächsten 20 Jahre vorgezeichnet.

Polnisch-sowjetische Auseinandersetzungen.

Im Osten und im Norden geht der Streit um die Gebiete, die zur Zeit der Polnisch-Litauischen Union dem großlitauischen Teil dieses Reiches angehören (3). Sie liegen in Litauen, Weißrussland und in der Ukraine. Als nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die deutschen Heereskräfte aus dem Baltikum und aus Weißrussland zurückgezogen werden, rücken sowjetische Truppen bis nach Litauen im Norden und bis zum Bug in der Ukraine nach. Daraufhin greift Polen im Frühjahr 1919 die durch die Revolution geschwächte Sowjetunion und das inzwischen unabhängige Litauen an. Es erobert Wilna und drängt die sowjetischen Truppen bis weit nach Weißrussland und in die Ukraine zurück.

Im Dezember 1919 mischen sich die Gründungsmächte Polens ein. Der „Höchste Alliierte Rat“ der Siegermächte in Versailles bestimmt die Sprach- und Volkstumsgrenze zwischen den Polen im Westen und den Weißrussen und Ukrainern im Osten zur Ostgrenze des neuen Staates Polen. Nach dem Teilungsspruch des Rates verlangen die Sowjets die Übergabe der ihnen zugesprochenen Gebiete. Polen weigert sich, das frisch eroberte „Ostpolen“ herauszugeben. Dem folgt ein Aufmarsch sowjetischer Heereskräfte in Richtung Polen. Polen tut ein Gleiches nach Osten und greift Russland ohne Kriegserklärung an. Die Kämpfe wogen ein halbes Jahr lang hin und her. Die Rote Armee der Russen wird dabei so gut wie aufgerieben. Die Sowjets müssen Frieden schließen und dabei auf das Land jenseits der vom „Höchsten Alliierten Rat“ festgelegten Volkstumsgrenze verzichten. Sie verlieren damit 5 Millionen Ukrainer, 1,2 Millionen Weißrussen und etwa 1 Million Juden als Bürger ihres Landes. Polen gewinnt mit „Ostpolen“ und den über 7 Millionen Fremden auch die etwa 1,5 Millionen Polen, die dort leben. Dieser Friedensschluß hat ein paar Folgen, die Gründe für den späteren Untergang des neuen Polen sind. Zum ersten behält die Sowjetunion einen legitimen Grund für eine spätere Revision zu Lasten Polens. Sie wird sich 1939 genau das Gebiet zurückerobern, das ihr 1919 der „Höchste Alliierte Rat“ der Gründungsmächte Polens zugesprochen hatte. 1945 wird sie auch die inzwischen auf 2 Millionen angewachsene polnische Bevölkerung von dort vertreiben. Dafür werden dann 15 Millionen Deutsche aus ihrer Heimat in Schlesien, West- und Ostpreußen sowie Pommern weichen müssen. Zum zweiten kauft sich Polen große Minderheiten ein, die es in den Folgejahren nicht integrieren kann. Des weiteren hat der Krieg der Polen und der Sowjets Folgen für den zukünftigen Umgang der Völker in Europa. Die Nachkriegsordnungsmächte, vertreten durch den „Höchsten Alliierten Rat“, nehmen ohne Konsequenzen hin, dass ein militärisch starker Staat eine von ihnen gezogene Grenze missachtet. Sie akzeptieren den Angriff eines Staates ohne Kriegserklärung. Sie übergehen das Selbstbestimmungsrecht von ein paar Millionen Menschen in Osteuropa. Sie beugen sich der Macht der Fakten, die ein Land mit seinem Militär geschaffen hat. Das bleibt nicht ohne dauerhaften Eindruck auf die Menschen in den besiegten Ländern, der Sowjetunion und Deutschland, die später gleiches tun.

Polnisch-litauische Auseinandersetzungen.

Das zweite Land, das Polen anfasst, ist das seit 1918 unabhängige Litauen. Polen besetzt im Oktober 1920 die Hauptstadt Wilna und ein Gebiet von 250 Km Länge und etwa 50 Km Breite. Ein Teil der dortigen Bevölkerung ist polnisch.  Der Völkerbund in Genf erhebt vergeblich Einspruch und schlägt eine Volksabstimmung vor. Polen gesteht der Bevölkerung im eroberten Gebiet kein Recht auf nationale Selbstbestimmung zu und behält den Osten des noch jungen litauischen Staates, ohne eine Volksbefragung zuzulassen. 1938 läßt Polen dann noch einmal Truppen an der Grenze aufmarschieren, droht mit Krieg und zwingt die Litauer, die polnische Eroberung von 1920 völkerrechtlich anzuerkennen.

Polen macht eine historische Legitimation für diesen Krieg und die Eroberung geltend. Litauen, so die polnische Rechtfertigung, war bis vor 125 Jahren Teil der Polnisch-Litauischen Union und ein Teil der dortigen Bevölkerung sind Polen. Mit genau der gleichen falschen Legitimation annektieren wenige Jahre später Hitler die Tschechei und Stalin die drei Baltenländer. Das deutsche Volk nimmt diese Unrechtstat der eigenen Regierung gegenüber der Tschechei 18 Jahre später nicht zuletzt auch deshalb ohne nennenswerten Widerspruch zur Kenntnis, weil derartige Aggressionen in Europa nach 1918 hier in Litauen und anderenorts fast an der Tagesordnung sind, und von den Siegermächten ohne ernsten Einspruch hingenommen werden.

Polnisch-tschechische Auseinandersetzungen.

Der dritte Staat, von dem Polen Land verlangt, ist die Tschechoslowakei. Polen und Tschechen beanspruchen 1918 gleichermaßen das Teschener Gebiet, ein kleines Territorium südlich von Oberschlesien. Die dortige Bevölkerung ist deutsch-polnisch-tschechisch gemischt. Die Bedeutung des Gebietes ergibt sich zum einen aus seinem Reichtum an Kohlengruben, Stahlwerken und Schwerindustrie und zum anderen aus seiner Lage an der Mährischen Pforte. Hier liegt einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte Ostmitteleuropas.

Der „Höchste Alliierte Rat“ teilt dieses Ländchen nach dem Ersten Weltkrieg halbe-halbe zwischen der Tschechoslowakei und Polen auf. Polen erkennt diese Teilung nicht als rechtens an, weil das Teschener Gebiet bis 1292 unter polnischer Herrschaft stand, und weil die Bevölkerung polnisch sei, was allerdings 1938 nur auf ein Drittel der dort Lebenden zutrifft.

1938, während der „Sudetenkrise“ verlangt die Deutsche Reichsregierung von der tschechischen in Prag, ihr die mehrheitlich deutsch besiedelten Sudetenlande zu übergeben. In Warschau hält man die polnische Forderung nach dem tschechischen Teil des Teschener Gebiets für so berechtigt wie die deutsche nach den Sudeten. Doch auf der Konferenz von München erkennen die Briten, Italiener und Franzosen nur den deutschen Anspruch auf die Sudetenlande an. Der Anspruch Polens wird in München nicht verhandelt. Die sowjetische Regierung warnt sogar die Polen, sich an den Tschechen zu vergreifen, und droht, anderenfalls den Polnisch-Sowjetischen Nichtangriffspakt von 1932 zu kündigen.

Anders die Reaktion aus Deutschland. Die polnische Regierung fragt bei der deutschen an, ob es deutscherseits Bedenken gegen eine polnische Annexion des Teschener Gebietes gäbe. Die Reichsregierung erhebt keine Einwände zum Schutz der Tschechen, was nicht ganz selbstverständlich ist, da die Stadt Oderberg im fraglichen Gebiet rein deutsch ist und, weil sie grenznah, leicht an Deutschland angeschlossen werden könnte. Hitler äußert bei diesem Zugeständnis gegenüber Polen allerdings die Hoffnung, dass im Gegenzug auch die deutsche, noch immer unter Völkerbundsmandat stehende Stadt Danzig mit dem Deutschen Reich vereinigt werden kann.

In der letzten Septemberwoche 1938 läßt Polen dann ein Armeekorps bei Teschen aufmarschieren und droht der tschechischen Regierung mit Krieg. Die Tschechoslowakei, zu der Zeit ohnehin nicht handlungsfähig, gibt nach, und Polen besetzt das umstrittene Gebiet. Der Zugewinn an Land, Industrie und Menschen hat für Polen verhängnisvolle Konsequenzen. Als erstes sei erwähnt, dass die Sowjetunion postwendend den Sowjetisch-Polnischen Nichtangriffspakt von 1932 kündigt, den Polen ein Jahr später dringend hätte brauchen können. Nicht einmal ein ganzes Jahr danach, am 17. September 1939 greift die Sowjetunion das expansive Polen an. Als zweites sei erwähnt, dass der Aufmarsch des Armeekorps und das Ultimatum an die Tschechen klare Brüche des Kellogg-Pakts zur „Ächtung des Krieges“ sind (4). Polen kann damit ein Jahr später nicht mehr darauf hoffen, selbst durch den Kellogg-Pakt geschützt zu werden. Und drittens ist nun der polnisch-deutsche Dialog um die Heimkehr Danzigs eingeläutet.

Polnisch-deutsche Auseinandersetzungen.

Das vierte Land, mit dem Polen keinen Frieden findet, ist das Deutsche Reich im Westen. Beide Staaten haben aus subjektiver Sicht weitgehende Forderungen in Bezug auf Territorien und Menschen an den jeweils anderen. Deutschland muß 1920 nach dem Vertrage von Versailles die Landesteile Westpreußen, Posen und Ost-Oberschlesien mit 2 Millionen deutschen Staatsbürgern an das neue Polen abgeben. Die polnische Delegation auf der Versailler Konferenz fordert außerdem die Angliederung ganz Oberschlesiens, Ostpommerns, ganz Westpreußens einschließlich der rein deutschsprachigen Kreise, das Ermland und Masuren sowie das Memelland. Damit verlangt Polen mehr, als es seit 1772 in den drei Teilungen verloren hat.

Die deutsche Öffentlichkeit empfindet die erzwungenen Gebietsabtretungen je nach Landesteil als unterschiedlich hart. Die verlorenen Territorien werden – je nach Geschichte und je nach Sprachzugehörigkeit der Mehrheit der Bewohner – teils durchaus als polnisch, teils als deutsch und teils als urdeutsch angesehen.

Die Provinz Posen ist bis 1793 polnisch. Nur 35% der Bevölkerung sind Deutsche. Im Deutschen Reich wird die Angliederung der Provinz Posen an das neue Polen deshalb auch bald akzeptiert.

In der Provinz Westpreußen liegen die Verhältnisse nicht so einfach. Das Land, das die Polen Pommerellen nennen, hat in seiner Geschichte von Anfang an oft zwischen polnischer und deutscher Herrschaft hin- und hergewechselt. 1918 sind je nach Statistik 73 bis 65% der Bevölkerung deutscher und weitere 6% kaschubischer Muttersprache. So sind in Westpreußen-Pommerellen bei Kriegsende 1918 nur ein Viertel der Bewohner Polen. Die Forderung der Deutschen nach einer Volksabstimmung in der Provinz wird von den Siegermächten abgelehnt.

1938 und 1939 spitzt sich der Streit zwischen dem Deutschen Reich und Polen um den Nordteil der Provinz zu. 1938 fordert Deutschland zunächst nur gesicherte, exterritoriale Verkehrswege durch den Nordteil Pommerellens, durch den sogenannten polnischen Korridor. Als Polen das nicht zugesteht, fordert Deutschland eine Volksabstimmung im umstrittenen Gebiet. Bemerkenswert ist dabei, dass Deutschland von Polen bis zum Kriegsausbruch kein einziges Mal verlangt, ganz Westpreußen zurückzugeben.

Ein Teil der früheren Provinz Westpreußen ist die Stadt Danzig als Hauptstadt der Provinz. Die alte deutsche Hansestadt wird 1920 nach dem Beschluß der Siegermächte ohne Volksabstimmung vom Deutschen Reich getrennt und „unter den Schutz des Völkerbunds gestellt“. 97% der Bevölkerung sind Deutsche, 3% sind Ausländer, davon die meisten Polen.

Die Bürger Danzigs verlangen in den Jahren zwischen beiden Kriegen mehrmals eine Volksabstimmung über ihre Zugehörigkeit zu Deutschland. Der Völkerbund lehnt dies Begehren ab, das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ auf Danzig anzuwenden.

Artikel 102 des Versailler Vertrags trennt die Hansestadt von Deutschland ab, ohne es jedoch dem neuen Polen anzugliedern. Doch in den 19 Jahren bis 1939 versucht der Staat Polen, sich Danzig in einer Folge kleiner Schritte einzuverleiben. In mancher Hinsicht ist das Schicksal Danzigs in der polnischen Umklammerung nach dem Ersten Weltkrieg dem Schicksal Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg ähnlich.

Der vierte Gebietsverlust an Polen liegt in Ost-Oberschlesien. Polen fordert beim „Höchsten Alliierten Rat“ der Sieger ganz Oberschlesien. Im Juni 1919 gesteht der „Höchste Alliierte Rat“ den Deutschen gegen Frankreichs Stimme eine Volksabstimmung zu. Der polnische Bevölkerungsanteil in Oberschlesien versucht die Abstimmung mit vier Volksaufständen zu verhindern und die polnische Regierung lässt 11 Divisionen an der Schlesien-Grenze aufmarschieren. Die Volksabstimmung findet statt, und Dank des seit 40 Jahren zugewanderten Anteils polnischer Gastarbeiter erreichen die Polen in Ost-Oberschlesien eine 60% Mehrheit. Der polnische Historiker Halecki schreibt dazu : „Auf diese Weise gewann Polen auch einen beträchtlichen Teil der reichen industriellen Landstriche. ... Die neue polnische Provinz Schlesien war der einzige, verhältnismäßig kleine Teil der wiederhergestellten Republik, der die Grenzen der Zeit vor den (polnischen) Teilungen überschritt. (5)“

Das deutsch-polnische Verhältnis.

Seit dem Abschluß des deutsch-polnischen Abkommens von 1934 gestalten sich die Beziehungen zwischen Berlin und Warschau im großen und ganzen positiv. Selbst bei den polnisch-deutschen Differenzen um die Einhaltung der Menschenrechte für die Minderheiten und um die strittigen Gebiete sieht es zeitweise so aus, als seien Lösungen nicht ausgeschlossen. Nach Hitlers Zugeständnis um Teschen und um die „deutsche“ Stadt Oderberg hofft man in Deutschland auf ein entsprechendes Zugeständnis der Polen in der Danzig-Frage.

Was nun folg, ist eine Serie vergeblicher Versuche von deutscher Seite, das Danzig-, das Korridor- und das Minderheiten-Problem auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Kern der deutschen Kompromissvorschläge ist das Angebot, die polnischen Gebietserwerbungen an ehemals deutschem Land aus den Jahren 1918 bis 1921 als endgültig anzuerkennen. Um diese Anerkennung hatte der polnische Regierungschef, Marschall Pilsudski von 1920 bis zu seinem Tode 1935 mehrfach vergeblich nachgefragt. Die 20 Reichsregierungen vor Hitler hatten diesen Wunsch der Polen nicht erfüllen wollen. Hitler bietet die erbetene Garantie nun gegen zwei „Tauschobjekte“: die Angliederung der Hansestadt Danzig, die völkerrechtlich ohnehin nicht polnisch ist, zurück ans Reich und exterritoriale Zugangswege in das abgetrennte Ostpreußen.

Die Deutsche Reichsregierung nimmt sechsmal vergeblich Anlauf zu Verhandlungen. Die Serie der Gespräche beginnt am 24. Oktober 1938 und setzt sich mit immer neuen Versuchen am 19. November, am 5. Januar 1939, am 25. und 26. Januar, am 21. März und am 28. April fort, bis am 30. August 1939 die letzte Offerte an Polen geht. Am 24. Oktober 1938, drei Wochen nachdem die Polen Teschen und Oderberg erhalten haben, schlägt Außenminister von Ribbentrop seinem polnischen Kollegen ein Acht-Punkte-Programm zur Lösung der deutsch-polnischen Differenzen vor. Die sechs ersten davon lauten :

  1. Der Freistaat Danzig kehrt zum Deutschen Reich zurück.

  2. Durch den Korridor wird eine exterritoriale, Deutschland gehörende Reichsautobahn und eine ebenso exterritoriale mehrgleisige Eisenbahn gebaut.

  3. Polen behält im Danziger Gebiet ebenfalls eine exterritoriale Straße oder Autobahn und Eisenbahn und einen Freihafen.

  4. Polen erhält eine Absatzgarantie für seine Waren im Danziger Gebiet.

  5. Die beiden Nationen anerkennen ihre gemeinsamen Grenzen (Garantie) oder die beiderseitigen Territorien.

  6. Der deutsch-polnische Vertrag wird von 10 auf 25 Jahre verlängert. (6)

Am 5. Januar 1939 besucht Polens Außenminister Jozef (Josef) Beck Hitler in seiner Alpenresidenz, auf dem Obersalzberg. Hitler spekuliert bei diesem Treffen noch immer auf eine gewisse Dankbarkeit für Oderberg und Teschen. Er unterbreitet ein zweites Mal den Vorschlag vom Oktober und bietet erneut die Anerkennung der verlorenen Gebiete als polnischen Bestand. Er verlangt dafür Danzig und exterritoriale Transitwege. Seinen Danzig-Vorschlag bringt Hitler auf die Formel: “Danzig kommt politisch zur deutschen Gemeinschaft und bleibt wirtschaftlich bei Polen. (7)“  Selbst der Korridor soll dabei polnisch bleiben.

Am 26. Januar 1939 fordert der französische Ministerpräsident Daladier bei einer Debatte zur französischen Außenpolitik in der Pariser Nationalversammlung, den deutschen Forderungen in Bezug auf Polen „ein kategorisches Nein entgegenzusetzen.“ Zu dieser Zeit fordert Deutschland noch immer nicht mehr als den Anchluß des Völkerbundmandatsgebiets Danzig an das Mutterland, exterritoriale Verkehrsverbindungen durch den „polnischen Korridor“ und eine Garantie für die Einhaltung der Menschenrechte für die in Polen verfolgten „Volksdeutschen“. Frankreich lehnt diese Forderungen ab. Zu diesem Zeitpunkt kann es sich noch nicht um eine berechtigte Reaktion Frankreichs auf die widerrechtliche deutsche Besetzung der Tschechei gehandelt haben, denn die erfolgt erst später. Es geht den Franzosen erkennbar darum, die Reste von Versailles zu erhalten und eine endgültige Aussöhnung der Deutschen und der Polen zu verhindern.

Die deutsch-polnische Konfrontation.

In England gilt Polen zu der Zeit wegen seiner Teschen-Annexion politisch noch als Schurkenstaat. Da baut Hitler den Polen selber eine Brücke, sich England anzuschließen. Am 16. März 1939, unmittelbar nach dem Zerfall der Tschechoslowakei in drei Staaten, läßt Hitler deutsche Truppen in die „Rest-Tschechei“ marschieren und macht die Tschechei zum „Protektorat“. Hitler annektiert mit der Tschechei erstmals ein nicht deutsches Land. Er handelt damit gegen das Selbstbestimmungsrecht der Tschechen, gegen den ausdrücklichen Willen Frankreichs und Englands, er bricht seine diesbezüglich gegebenen Versprechen und gibt so den Regierungen Englands, Frankreichs und der USA einen Vorwand, den Anschluß der deutschen Stadt Danzig an das Mutterland zu hintertreiben.

Polens Außenminister Jozef (Josef) Beck nutzt die Verärgerung der Briten und bittet die Londoner Regierung um ein Schutzabkommen gegen Deutschland. Die Briten sagen zu und Polen schwenkt von jetzt auf gleich zu neuen Gepflogenheiten gegenüber Deutschland um. Statt wie im deutsch-polnischen Vertrag von 1934 vereinbart, die bilateralen Streitigkeiten zu verhandeln, macht die polnische Regierung noch im März 1939 ihre Truppen teilmobil und lässt Heereskräfte vor Danzig aufmarschieren, über das nun eigentlich verhandelt werden sollte. Zu dieser Zeit gibt es von deutscher Seite noch keine einzige Drohung gegenüber Polen und keine Angriffspläne.

Die provozierende Mobilmachung und das Dazwischentreten Englands nehmen Hitler in den letzten Märztagen 1939 jede realistische Hoffnung, in der Danzig-Frage auf dem bisher eingeschlagenen Verhandlungsweg allein zum Ziel zu kommen. Er setzt jetzt die militärische Option neben weitere Verhandlungen und lässt einen Angriff gegen Polen vorbereiten. Am 3. April 1939 gibt Adolf Hitler die Weisung für den Fall Weiß. Es ist der Auftrag an die Wehrmacht, einen Angriff gegen Polen so vorzubereiten, dass er ab 1. September 1939 möglich ist. Der politische Zusammenhang für die gegebene Weisung findet sich in Ihrer Ziffer 1:

Das deutsche Verhältnis zu Polen bleibt weiterhin von dem Grundsatz bestimmt, Störungen zu vermeiden. Sollte Polen seine bisher auf dem gleichen Grundsatz beruhende Politik gegenüber Deutschland umstellen und eine das Reich bedrohende Haltung einnehmen, so kann eine endgültige Abrechnung erforderlich werden.

Polen tanzt ab diesem 3. April auf dem Vulkan.

In Polen beurteilt man die Dinge derweilen völlig anders. Am 5. Mai 1939 begründet Außenminister Jozef (Josef) Beck seine Politik des Status quo und der Abweisung der deutschen Forderungen vor dem Sejm, dem Parlament in Warschau. Der Status der Stadt Danzig – so sagt er – beruhe nicht auf den Verträgen von Versailles, sondern auf der jahrhundertelangen Zugehörigkeit der Stadt zu Polen. Das Angebot der deutschen Reichsregierung, alle Gebietserwerbungen ehemals deutscher Territorien durch Polen nach dem Ersten Weltkrieg als endgültig polnisch anzuerkennen, sei kein Angebot. So sei die deutsche Forderung nach Danzig und nach exterritorialen Transitwegen nichts anderes als ein Nehmen ohne Gegenleistung. Als Quintessenz schließt Beck: „Eine Nation, die sich selbst achtet, macht keine einseitigen Zugeständnisse.“

Der englische Botschafter in Berlin Henderson beurteilt das zur gleichen Zeit ganz anders. Er schreibt am 4. Mai 1939 an seinen Minister Lord Halifax in London: „Wieder einmal ist die deutsche Sache weit davon entfernt, ungerechtfertigt oder unmoralisch zu sein. ... Meine These war immer, dass Deutschland nicht zur Normalität zurückkehren kann, ... solange nicht seine legitimen Forderungen erfüllt worden sind. Die Danzig-Korridor-Frage war zusammen mit dem Memelproblem eine von diesen. ... Nach Aussage meines belgischen Kollegen betrachten fast alle diplomatischen Vertreter hier das deutsche Angebot als ein überraschend günstiges (8).“

Sehr zum Nachteil Polens wendet sich Adolf Hitler nun von seiner bisherigen kleinen Danzig-Lösung ab und hin zu einer großen Polen-Lösung. Was noch schwerer wiegt, er bezieht Polen von jetzt an in seine bis dahin nur vagen Vorstellungen vom „Lebensraum im Osten“ ein.

Was nun folgt, ist wie der Rutsch auf schiefer Ebene. Im Juni und Juli 1939 nehmen die Drangsalierungen der Minderheiten in Polen, die Grenzzwischenfälle und der Nachdruck, mit dem die Danziger ihren Anschluß an das Mutterland verlangen, derart zu, dass ein spannungsfreies Verhandeln zwischen der polnischen und der deutschen Regierung nicht mehr möglich ist. Ab Ende Juli 1939 belastet ein Streit zwischen Polen und dem Danziger Senat um den Zolldienst im Freistaat zusätzlich das deutsch-polnische Verhältnis. Der Danziger Senat gibt auf Anraten Hitlers nach, und polnische sowie französische Zeitungen berichten, Hitler sei vor der festen Haltung Polens in die Knie gegangen (9). Der Streit beginnt nun auch psychologisch abzugleiten.

In den letzten Wochen vor dem Kriegsausbruch versucht Hitler, den Polen die Pistole auf die Brust setzen, indem er sofortige Verhandlungen über die deutschen Forderungen verlangt und mit Krieg droht, sollte Polen ein Entgegenkommen verweigern. Der polnische Außenminister erklärt sich am 28. August zu Verhandlungen bereit, weicht diesen in den Folgetagen aber aus. Am 30. August schiebt Hitler ein neues Angebot – wie es die Deutschen nennen – beziehungsweise eine neue Forderung – wie es die Polen sehen – nach. Hitler will die Briten noch auf seine Seite ziehen und lässt deshalb für die Polen eine Brücke stehen, über die sie gehen könnten. Der neue Vorschlag ähnelt den vorausgegangenen. Er fordert nach wie vor den Anschluß Danzigs an das Reich. Doch er verlangt – das ist nun neu – auch eine Volksabstimmung für die Menschen im sogenannten Korridor. Die demokratische Entscheidung der betroffenen Bevölkerung müsste England akzeptieren, so ist Hitlers Hoffnung. Der neue deutsche Vorschlag umfasst 16 Punkte. Die wesentlichen sind:

  • -2. Das Gebiet des sog. Korridors ... wird über seine Zugehörigkeit zu Deutschland oder Polen selbst
          entscheiden.

  • -3. Zu diesem Zweck wird dieses Gebiet eine Abstimmung vornehmen. ... Zur Sicherung einer
          objektiven Abstimmung ... wird dieses Gebiet einer sofort zu bildenden internationalen
         Kommission unterstellt, die von den vier Großmächten Italien, Sowjetunion, Frankreich und
         England gebildet wird.

  • -4. Von diesem Gebiet bleibt ausgenommen der polnische Hafen Gdingen, der polnisch bleibt.

  • -8. Um nach erfolgter Abstimmung – ganz gleich wie diese ausgehen möge – die Sicherheit des freien
         Verkehrs Deutschlands mit seiner Provinz Danzig-Ostpreußen und Polen seine Verbindung mit
         dem Meere zu garantieren, wird, falls das Abstimmungsgebiet an Polen fällt, Deutschland eine
         exterritoriale ... Reichsautobahn sowie eine viergleisige Eisenbahnlinie gegeben. ... Fällt die
         Abstimmung zugunsten Deutschlands aus, so erhält Polen zum freien und uneingeschränkten
         Verkehr nach seinem Hafen Gdingen die gleichen  Rechte.

Hitler verbindet diesen Vorschlag mit einem Ultimatum für den Gesprächsbeginn. Die polnische Regierung lehnt es ab, unter gesetzter Frist mit der deutschen zu verhandeln. Einen Tag und fünf Stunden nachdem das Ultimatum für den Beginn neuer deutsch-polnischer Gespräche ergebnislos verstrichen ist, marschiert die Wehrmacht in Polen ein. Zwei Tage später, am 3. September 1939, erklären England und Frankreich daraufhin den Krieg an Deutschland. Am 17. September greift die Sowjetunion Polen an.

Der französische Historiker Rassinier schrieb nach dem Kriege:

„Hätten das französische und das britische Volk am 30. August von diesen deutschen Vorschlägen Kenntnis gehabt, so hätten Paris und London kaum den Krieg an Deutschland erklären können, ohne einen Sturm der Entrüstung hervorzurufen, der den Frieden durchgesetzt hätte.“

Am 10. Juli 1940, nachdem die französische Armee 10 Monate nach der französischen Kriegserklärung an Deutschland von der Wehrmacht geschlagen worden war, sagte Pierre Laval, Stellvertretender Parlamentspräsident, auf der ersten Nachkriegssitzung der französischen Nationalversammlung in Vichy: „Das größte Verbrechen, das in unserem Land seit langem begangen wurde, ist sicherlich die Kriegserklärung gewesen ....Sie wissen wohl, dass man nicht einmal wusste, warum man sich schlug“. (10)

Junge Leute und ihr eigenes Urteil.

Was hat das alles mit der Frage zu tun, ob wir Deutsche 1945 besiegt oder befreit worden sind? Die Befreiung oder Niederlage fand doch erst 1945 und nicht vor 1939 statt. Wenn die 30 Bundestagsabgeordneten in ihrem Antrag bitten, der Jugend die Kriegsursachen im Zusammenhang mit der „Befreiung“ nahezubringen, müssen sie eine Verbindung zwischen beidem sehen. Da liegt die Vermutung nahe, dass sie im Kriegsende auch die Befreiung von dem Regime sehen, das den Krieg nach ihrer Ansicht allein verursacht und verschuldet hat. Das schließt unausgesprochen ein, dass die Befreier den Krieg nicht mit verursacht haben. Es schließt wohl auch die Ansicht ein, dass sich die Befreier vor dem Krieg aktiv bemüht haben, den Frieden zwischen den Polen und den Deutschen zu erhalten. Der Zweite Weltkrieg ist jedoch, wie der Blick in die Zeit vor dem Kriege zeigt, zwar von Hitler ausgelöst, doch nicht von ihm allein verursacht worden. Mit verursacht haben ihn zuerst genau die Mächte, die ihn auch gewonnen haben. England, Frankreich und die USA liefern schon 1920 die meisten Gründe, die 1939 zu dem neuen Kriege führen. Die drei Mächte zwingen Europa eine Nachkriegsordnung auf, in der viele neue Staatsgrenzen quer durch Sprach- und Völkergrenzen laufen, und in der über 20 Millionen Menschen gegen ihren Willen von ihren Heimatländern abgetrennt in fremden Staaten als Bürger zweiter Klasse leben müssen. Das war keine Friedensordnung. Der englische Abgeordnete Kneeshaw kommentierte diese Saat 1920 auf dem Labour-Parteitag so: „Wären wir das besiegte Volk und hätten solche Bedingungen auferlegt bekommen, so würden wir ... in unseren Schulen und Heimen begonnen haben, unsere Kinder auf einen Vergeltungskrieg vorzubereiten.“

England, Frankreich und die USA tun 1939 dann noch alles, die Polen von einem Entgegenkommen gegenüber Deutschland in der Danzig-Frage abzuhalten.

Zu den Mitverursachern zählt auch das neue Polen als einer der Gewinner des Ersten Weltkriegs, das weder die Menschenrechte seiner 11 Millionen Minderheiten-Bürger achtet, noch seine neuen Grenzen akzeptiert.

Die nationalsozialistischen Machthaber Deutschlands haben die Versailler Nachkriegsordnung nicht verursacht, auch wenn sie es dann waren, die 1939 keine Skrupel hatten, den ersten Schritt zum neuen Krieg zu tun.

In diesem Sinne ist die Niederlage Deutschlands gegenüber den Staaten, die fast alle Gründe für den Zweiten Weltkrieg selbst geliefert haben, nicht als Befreiung anzusehen.

Junge Leute sollten sich ihr eigenes Urteil zu der Frage bilden können, ob ihr Volk 1945 eine Niederlage erlitten hat, oder ob es befreit worden ist oder ob am 8. Mai 1945 beides stattgefunden hat. Ein fundiertes eigenes Urteil kann nur auf umfassenden Informationen wachsen und dazu gehört die ganze Geschichte.

weiter zu Teil 3

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Anmerkungen:

  1. Brit. Doc. on the Origins of the War 1898-1914, Volume III, S 209ff und S 397ff

  2. Zu den Kriegsgründen für den 2. WK, die sich ab 1900 entwickeln, siehe „1939 Der Krieg, der viele Väter hatte“  OLZOG-Verlag

  3. Poln.-Lit. Union 1386-1795

  4. Kellogg-Pakt = Kriegsächtungsabkommen von 1928

  5. Halecki, Geschichte Polens, Societätsverlag, Seite 229

  6. Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, Serie D, Band V, Dokument 81

  7. Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, Serie D, Band V, Dokument 119

  8. Documents of British Foreign Policy, Third Series, Volume V, Seite 422

  9. Benoist-Mechin, Histoire de l’ Armée allemande , Band 7, ( deutsche Übers.) Seite 212f

  10. Les Événements Survenus en France de 1933 a 1945, Akte 2344-IV; Seite 485
     

Quellen:
Soldat im Volk, Ausgabe Juni 2004;
Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 09 / 05.03.2005, Seite 21;
Ausgabe 12 / 26.3.2005, Seite 21; Ausgabe 14 / 09.04.2005. Seite 20;
 Ausgabe 15 / 16.04.2005 Seite 21; Ausgabe 17 / 30.04.2005, Seite 21;
Ausgabe 18 / 07.05.2005. Seite 21; 
Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft, Hamburg, 2004,
(
www.swg-hamburg.de/Geschichtspolitik/BEFREIUNG_ODER_NIEDERLAGE_ODER/...);
Rede zum 8. Mai 1985 des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker:
www.bundestag.de/parlament/geschichte/parlhist/dok26.html;
oder:
http://nibis.ni.schule.de/~rs-leer/gesch/ge0047.htm

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weiterführende Lektüre ist das Buch: 1939 Der Krieg, der viele Väter hatte vom selben Autor.
Es ist die Grundlage der Artikelserie

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weitere Informationen:

Militärgeschichtliches Forschungsamt sieht Ursprünge der Vertreibung weit vor dem Zweiten Weltkrieg

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weitere Informationen:
73-64. Flucht und Vertreibung (Dokumentation, Teile I und II)
"Inferno im Osten" (I) und "Die Rechtlosen" (II) Dokumentation von 1981

Playlist:
http://www.youtube.com/view_play_list?p=4BBF33856F56400D

73. Flucht und Vertreibung (II): Die Rechtlosen (5/5)
http://www.youtube.com/watch?v=wqqQQ6yuatc

72. Flucht und Vertreibung (II): Die Rechtlosen (4/5)
http://www.youtube.com/watch?v=KZNTMQBxLFo
71. Flucht und Vertreibung (II): Die Rechtlosen (3/5)
http://www.youtube.com/watch?v=gFuZwjVIaqs
70. Flucht und Vertreibung (II): Die Rechtlosen (2/5)
http://www.youtube.com/watch?v=AB_uC0ALq8A

69. Flucht und Vertreibung (II): Die Rechtlosen (1/5)
http://www.youtube.com/watch?v=yZ7WYJZ97Ac
68. Flucht und Vertreibung (I): Inferno im Osten (5/5)
http://www.youtube.com/watch?v=huKWKNS2hHE

67. Flucht und Vertreibung (I): Inferno im Osten (4/5)
http://www.youtube.com/watch?v=zSF8NfG9OZ4
66. Flucht und Vertreibung (I): Inferno im Osten (3/5)
http://www.youtube.com/watch?v=M_d0TAmed2A
65. Flucht und Vertreibung (I): Inferno im Osten (2/5)
http://www.youtube.com/watch?v=J_vmEXYEA6c
64. Flucht und Vertreibung (I): Inferno im Osten (1/5)
http://www.youtube.com/watch?v=B5GCokxOUjE


 

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