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Keine Urheberschaft Polens?
Zwei polnische Historiker streiten über die Vertreibung
Musial sieht die Verantwortung ganz bei Stalin
Ein Beitrag von Rudi Pawelka

Wenn ein bisher angesehener polnischer Zeithistoriker plötzlich im Mittelpunkt übler Beschimpfungen und Polemiken steht, muß es um ein Thema gehen, das die polnische Volksseele in hohem Maße erregt.

„Fünfte Kolonne, Verräter, Deutschenknecht“ sind Vokabeln, die sich gegen Wlodzimierz Borodziej richten, einen Professor an der Warschauer Universität. Ankläger ist ein polnischer Kollege, gleichfalls Historiker und auf sowjetische Verbrechen spezialisiert, der auch bei uns bekannte Bogdan Musial. Angeführt von dem meinungsbildenden Blatt der Rechten, der „Rzeczpospolita“, widmen Zeitungen der Auseinandersetzung Artikelserien, die Fachwelt meldet sich zu Wort, Parteien der nationalen Rechten erregen sich wegen der Schmach, daß ausgerechnet polnische Historiker „der Fälschung der Geschichte durch die Deutschen“ Argumente liefern. Worum geht es? Angegriffen wird das Werk von Wlodzimierz Borodziej, der zusammen mit Hans Lemberg, einem Osteuropahistoriker, im Jahr 2000 unter anderem eine Quellenedition zur Vertreibungsgeschichte herausgegeben hat. Musial meint, in dem Werk werde die These von der polnischen Urheberschaft propagiert. Er begründet dies damit, daß nur Dokumente aus polnischen, nicht aber aus Moskauer Archiven berücksichtigt wurden. Dadurch werde der Eindruck vom unschuldigen Stalin und von den „bösen Polen“ genährt. Selbst eine Mitverantwortung Polens an der Vertreibung hält Musial für das „verzerrte deutsche Bild von der polnischen Geschichte“, das auch der kommunistischen Propaganda der vergangenen Volksrepublik entspreche. In Wahrheit sei Stalin der eigentliche Urheber gewesen.

Kritische Beobachter des Streits bewerten die Fakten, insbesondere das Werk von Borodziej / Lemberg differenzierter. Zwar werde die Rolle Stalins als treibende Kraft nur kursorisch erwähnt, jedoch finde sich von der polnischen Urheberschaft keine Spur. Die Autoren verwenden dagegen viel Mühe darauf, den von Deutschland begonnenen Krieg als Erstursache der Vertreibung und außerdem die bestimmende Rolle der Briten, Amerikaner und Sowjets herauszustellen. Allerdings beleuchten sie auch die Politik der polnischen Exilregierung in London, die Gedanken der Entdeutschung der später annektierten Gebiete entwickelt hatte. Sie verschweigen auch nicht, daß die polnischen Behörden nach Kriegsende diesen Plan so rigoros umsetzen, daß sogar die Rote Armee sie dabei bremsen mußte.

Schon in seinem Abschlußbericht „Der Komplex der Vertreibung“ vom 7. Dezember 1996 war Borodziej zusammen mit Artur Hajnicz auf das verbrecherische Handeln gegenüber Deutschen eingegangen. Dabei zitierten sie unter anderem aus einem Bericht einer Sonderkommision des Zentralkomitees (ZK) der Polnischen Arbeiterpartei, in dem von einer furchtbaren Willkür und von grausamen Verbrechen durch die polnische Miliz und den Sicherheitsdienst die Rede ist. Borodziej aber als Freund der Deutschen zu bezeichnen, ist sicher verfehlt. Die zuvor widergegebenen Ausführungen können nur als Ansatz gesehen werden, sich zumindest teilweise der Wahrheit zu stellen. An anderer Stelle des Abschlußberichts werden im übrigen auch stark nationalpolnische Argumente vertreten, so die unhaltbare These, Deutschland wäre wegen des Ribbentrop-Molotow-Pakts von August 1939 verpflichtet gewesen, territoriale Verluste auszugleichen (Rekompensationspflicht), die Polen durch die Sowjetunion erlitten hatte. Daß es sich dabei um ein Gebiet handelte, das Polen sich in einem Eroberungskrieg 1920 von der Sowjetunion einverleibt hatte und in dem nur zirka 15 Prozent Polen lebten, bleibt dabei außerhalb der Betrachtung, ebenso wie das Gebiet um Stettin, das Polen laut Potsdam gar nicht zur Verwaltung unterstellt wurde. Auch wenn Schwachstellen in dieser Art zu bemängeln sind, bleibt Borodziej einer der wenigen polnischen Wissenschaftler, die sich um eine Aufarbeitung der polnischen Geschichte bemühen. Auch im Ausland gilt er als Koryphäe, zumal er auch durch weitere Arbeiten wie ein Standardwerk zum Warschauer Aufstand 1944 und über den Widerstand im besetzten Polen hervorgetreten ist. Vor kurzem wurde er beauftragt, das Konzept für das Museum der Europäischen Geschichte in Brüssel auszuarbeiten. Beteiligt ist er auch an dem Großprojekt des deutsch-polnischen Schulbuchs. Als ich vor zirka vier Jahren an der Universität Frankfurt / Oder an einer von Gesine Schwan geleiteten Veranstaltung teilnahm, zu der auch eine Reihe führender Politiker und Wissenschaftler, unter anderem Borodziej, gekommen waren, hatte ich aufgrund der Diskussion und in einem persönlichen Gespräch durchaus den Eindruck, daß er polnische Positionen nicht aufgegeben hat.

Sein Widersacher Bogdan Musial ist Experte für sowjetische Verbrechen. Verdienstvoll sind die Resultate seiner Forschungen über die expansionistische bolschewistische Militärstrategie und Außenpolitik zwischen 1920 und 1941, die sich auf russische Quellen stützen. Im Ergebnis kommt er dabei zu der Aussage, daß die Sowjetunion den Schlüssel zur Weltrevolution in Deutschland sah, zu dem allerdings ein antirussisches und reaktionäres Polen den Weg versperrte. Nachdem die militärische Auseinandersetzung mit Polen 1920 keinen Erfolg gebracht hatte, versuchte man, das Hindernis durch eine Vertragspolitik (Rapallo 1922, Ribbentrop-Molotow-Pakt 23. August 1939) aus dem Weg zu räumen. Durch die Teilung des Landes im September 1939 bestand nun eine gemeinsame Grenze mit Deutschland. Musial berichtet über gewaltige Kriegs-präparationen ab Frühjahr 1941, die gegen Deutschland gerichtet waren. Den durch den deutschen Einmarsch auf sowjetisches Territorium begonnenen Krieg sieht er dennoch nicht als Präventivschlag, weil Deutschland nach seiner Meinung weder Kenntnis von der Schlagkraft der sowjetischen Streitkräfte noch von den Angriffsvorbereitungen gehabt haben soll. Zwar ist dies kaum vorstellbar, aber jede andere Schlußfolgerung würde einer Revolution gleichen.

Musial gehörte auch zu den Kritikern der von Philipp Reemtsma verantworteten Wehrmachtausstellung, die wesentlich dazu beitrugen, daß die die deutschen Soldaten diskreditierenden Fälschungen herausgenommen werden mußten.

Die Ergebnisse der Arbeiten beider Wissenschaftler sind in wesentlichen Teilen auch für uns von hohem Wert. Jedoch sind sowohl Borodziej als auch Musial noch zu sehr national-polnisch, jeder aus einer anderen Sicht, um den Blick für objektive Bewertungen immer frei zu haben. Wenn beide jetzt vom jeweiligen anderen Lager ein bestimmtes Etikett aufgeklebt bekommen, schadet dies insgesamt der Aufarbeitung der Vergangenheit in Polen. Auch zu unserem Nachteil. Redliche Diskussion ist gefragt, nicht emotionale öffentliche Diffamierung.        

Quellen:
„Deutsche Umschau“ 7/8 2008, veröffentlicht in
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt Ausgabe 37 / 13.9.2008


 

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