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Beeindruckend und relativierend
Das Leid der Deutschen zu zeigen hat seinen Preis
von Markus Patzke

Zum ersten Mal im deutschen Fernsehen hat sich die ARD dem Kapitel Flucht und Vertreibung in fiktionaler Form mit dem zweiteiligen Spielfilm „Die Flucht“ gewidmet. Von Februar bis Juni 2006 entstand der jetzt ausgestrahlte Zweiteiler, in dem Maria Furtwängler Lena Gräfin von Mahlenberg spielt. Eine Frau, die im Sommer 1944 in ihre Heimat Ostpreußen zurückkehrt, um sich mit ihrem Vater zu versöhnen. Schon bald zwingt der Krieg Lena zur Flucht. Und mit ihr die vielen Angestellten des Hofes. Sie übernimmt die Führung des Trecks. Ein zweiter Handlungsstrang stellt Lena, die schöne Gräfin, zwischen zwei Männern, die um sie werben. Ein altes Motiv.

65 Drehtage in Litauen, 2.500 Komparsen, 250 Pferdewagen, minus 20 Grad Außentemperaturen und ein Budget von zehn Millionen Euro - „Die Flucht“ war eine der ambitioniertesten Produktionen des deutschen Fernsehens und dementsprechend braucht man über die filmische Qualität und über die Besetzung nicht viele Worte verlieren. Sie ist, wie nicht anders zu erwarten war, hervorragend.

Bedeutsamer ist die Diskussion über ist die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Stoff „Flucht und Vertreibung“. „Die Flucht““ bewegt sich in dem Zwiespalt, in dem sich alle Spielfilme, deren Hauptthema historische Geschehnisse sind, bewähren müssen. Der Haupthandlungsstrang kann nur wenig dramaturgische Spannung aufbauen, weil das Ende bekannt ist. Jeder weiß was geschehen wird, die Chronologie birgt keine Überraschung, der Effekt am Schluß muß ausbleiben. Der zweite Handlungsstrang bildet die Hilfskonstruktion, die den Zuschauer vor dem Bildschirm fesselt. Die Frage, ob es angesichts des historischen Ereignisses gerade eine Liebesgeschichte sein muß ist berechtigt, aber es geht wohl nicht anders, wenn man auch die Rosamunde-Pilcher-Fangemeinde vor die Fernsehschirme locken will. Und ohne Zweifel gibt es auch in Ausnahmesituationen Liebesbeziehungen.

Die Drehbuchautorin Gabriela Sperl erzählt die Leiden der Opfer. Auf beeindruckende Weise werden die Ereignisse um die Flucht authentisch dargestellt. Was vor 20 Jahren noch nicht möglich gewesen wäre, scheint nun machbar. In diesem Sinne markiert der Film den Ausbruch aus der Schweigespirale. Ja, es gibt deutsche Opfer und die Opfer dürfen von ihrem Leiden berichten und sie müssen aus dem öffentlich-rechtlichen Raum nicht ausgeblendet werden. Das wirkt wie eine Befreiung, auch wenn es für diejenigen, die lesen können, kein wirklicher Tabubruch ist. Aber die vertriebenen Ost- und Sudetendeutschen können sich in vielen Szenen des Films wiederfinden, sie werden in ihrem Leiden, in ihrem Schicksal ernstgenommen. Die Darstellung im Spielfilm, die wie geschildert auch Schwächen hat, kann das Seelenleben und die Gefühlswelt darstellen, nur der Spielfilm kann derart intim sein, kann berühren und erschüttern, wie es kein Dokumentarfilm könnte. Das ist die große Stärke des Films, die vor allem in den Szenen sichtbar wird, in denen das grauenvolle der Flucht geschildert wird, etwa wenn Babette vergewaltigt wird oder die Treckwagen im Frischen Haff versinken. Das sind die Bilder die erschüttern, die das Leid plastisch werden lassen, die auch den hartgesottensten Zeitgenossen packen. Diese Szenen sind es, die den Film wertvoll und sehenswert machen. Und das sind auch die Szenen, die den Tabubruch im deutschen Fernsehen ausmachen.

Noch immer aber, und das ist die Kehrseite der Medaille, hat das Sichtbarmachen deutschen Leids seinen Preis. Auch dieser Film kommt nicht ohne die Schilderung deutscher Verbrechen aus. Die willkürliche Verhaftung und Erschießung französischer Kriegsgefangener (im übrigen nicht zu verwechseln mit Zwangsarbeitern) und auch der furchtbare Jurist, der Deserteure kurz vor Kriegsende hinrichten läßt, nicht zu vergessen die Verbrechen der Wehrmacht im Osten, die wenigstens im Dialog vorkommen müssen – den belehrend moralisierenden Gestus erspart uns auch dieser Film nicht.

Fast drei Jahre hat die promovierte Historikerin Gabriela Sperl sich mit dem Drehbuch beschäftigt. Jede dieser Szenen ist gut recherchiert und nicht fiktional. Zum Problem wird die Darstellung in der Dichte eines dreistündigen Films. Es verschieben sich dann die Gewichte, wenn das individuelle Leid eines deutschen Opfers jeweils mit einem deutschen Verbrechen gekontert und erklärt wird. Die Rache des einfachen Rotarmisten (der sich für die Vergewaltigung dann auch noch von seinem Vorgesetzten erschießen lassen muß – ein dokumentierter Einzelfall!) wird zu einem Motiv, dem man angesichts deutscher Verbrechen Verständnis entgegenbringt. Das wirkt in seiner Fülle relativierend. Wir wissen doch mittlerweile, daß es Stalin nicht um den antifaschistischen Kampf oder die Befreiung der Welt von etwas Bösem ging, sondern vor allem um den Gewinn eines Territoriums. Ein Hinweis auf die Förderung der Brutalität der Rotarmisten durch die sowjetische politische und militärische Führung, auch durch die Intellektuellen, etwa ein Hinweis auf die unsäglichen Aufrufe eine Ilja Ehrenburg hätte man sich in diesem Film auch gewünscht.

„Natürlich ist das der wichtigste Film, den ich bisher gedreht habe“, sagt die Hauptdarstellerin Maria Furtwängler. „Sowohl was seinen Inhalt als auch was meine Karriere betrifft.“ In einem anderen Interview sagt die Schauspielerin: „Es ist eines der dunkelsten noch nicht erzählten Kapitel der deutschen Geschichte, das größte Leid der Zivilbevölkerung.“ Ganz ohne Zweifel ist „Die Flucht“ ein wichtiger Film dessen Thema in dieser Form noch nicht erzählt worden ist. Das zeigen auch die Zuschauerzahlen. Mit mehr als elf Millionen Zuschauern wurde „Die Flucht“ am 04. März zum erfolgreichsten ARD-Film seit zehn Jahren. Mit 10,16 Millionen Zuschauern konnte auch am 05. März noch ein Marktanteil von 29,0 Prozent erreicht werden. Von besonderer Bedeutung dabei: In der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen waren 2,82 Millionen jüngere Zuschauer dabei, die nicht mehr der Erlebnisgeneration angehören. Auch bei der anschließenden (durchaus kritikwürdigen) Dokumentation „Hitlers letzte Opfer“ wurde mit 1,75 Millionen 14- bis 49-jährigen Zuschauern überdurchschnittlich viele jüngeres Publikum erreicht.

Die Zahlen sprechen für sich. Das Interesse am Thema ist offensichtlich vorhanden, auch bei der jungen Generation. Der Film läßt hoffentlich auch diese Generation nachempfinden, was Flucht und Vertreibung für den einzelnen Menschen bedeutet. Die These, daß es sich bei Flucht und Vertreibung um ein Thema ohne öffentliches Interesse handelt, ist damit jedenfalls eindrucksvoll widerlegt. Wenn „Die Flucht“ zum weiteren Nachdenken und zur Beschäftigung mit dieser Tragödie anregt, dann ist der Film ein großartiger Erfolg. Wenn es gelingt, aus der Empathie Wissen werden zu lassen, dann war dieser Film ein wichtiger Meilenstein für die deutschen Vertriebenen.

Quellen:
TV-Trailer "Die Flucht": www.daserste.de/dieflucht/, 2007;
Text: Markus Patzke, Landesgeschäftsführer BdV NRW, Düsseldorf;
Bild: https://ssl.sueddeutsche.de/kultur/bildstrecke/74/103970/p0/?img=1.0

 

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Bezugsquellen:
BdV-Buchdienst
www.bdv-nrw.de/cgi-bin/cosmoshop/lshop.cgi?action=showdetail&rubnum=&artnum=dvd_....;
Preußischer Mediendienst
http://www.preussenversand.de/product_info.php?info=p4032_Die-Flucht--DVD--Die-DVD-zum-ARD--Film.html&XTCsid=80bda2a9ebb2ed8e60205b9f805f6268;


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