Auch wenn Jäger so gierig und grausam scheinen,
Von Putzig bis Nimmersatt - er hat flinke Beine,
Er schwebt übers Ermland nach Allenstein,
Von tausenden Herzen begleitet. Er ist nie allein!
Bei Kulm und bei Danzig lässt er sich erblicken,
durch die Straßen Memels seine Hufen sausen.
Schon wieder! Ein Bösewicht schießt in den Rücken,
Doch er entwischt ihm irgendwo bei Fischhausen.
Preußenlands Elch hat hohe Beine,
Die Schaufel trägt er wie Preußens Krone,
Und feindlichen Knüppeln und fliegenden Steinen
Ist er entronnen;
So wird es bleiben (kein Grund zum Weinen),
So lange preußische Herzen schlagen
Werden ihn seine Beine tragen!
Jedes Jahr am selben Tage,
Fern der Inster und Rominte,
Hört ein Mann beim kalten Winde
Ein Trakehner wiehernd klagen,
So wie einst als Kind im Winter...
Dann eilt er zu seinen Pferden
In den Stall und sein Gesang
Mit dem trauten Preußenklang
Ist das längste Lied auf Erden
Das er singt so gut er kann.
Und er küsst sie an die Nüstern,
Aus der Kehle - ein Geflüster.
Schnuppernd sehen sie dann an
Wie er trinkt sein Bärenfang.
Und er weint, der alte Mann.
„Vergessen Preußen? Lässt dich diese Frage kalt?-
Fragt leise ibn Jakub den sagenhaften Wulfstan,-
Das schöne Preußen ist doch Tausend Jahre alt!“
„Ach, lieber Ibrahim! Wer das schon kann?
Der Name Preußen hat so ein schönen Klang -
Er ist nicht zu vergessen! So wahr ich heiße Wulfstan.
Mein lieber Freund, Wem macht der Name Sorgen?
Uns nicht! Die Anderen, die nach uns kamen
Und die noch kommen, gedenken unsre Namen,
So wie der Preußen, zwischen Gegenwart und Morgen.“
Rapunzel bei Rauschen am steilen Strand
Wirft in die Fluten ihr goldenen Zopf:
Die Ostsee streckt sich nach Preußenland
Und streichelt Rapunzel Haare und Kopf.
Rapunzel, Rapunzel vorbei ist der Frost,
Der kalte Winter durch Lappland zieht,
Die Schwalben und Kraniche bringen Post
Was Alles draußen auf Erden geschieht.
Fremde Zeiten - sie sind längst vergangen...
Doch wie surrende Pfeile rücken sie nah,
Wenn ich wieder mit Schaudern und Bangen
Von Greisen hören muss was alles geschah.
Von den Kreuzen im ewigen Eis,
Wo hungernder Kinder Väter und Brüder
„Ade!“ gehustet, gehaucht... Wer weiß?
Verhungert? Erfroren? Sie kommen nie wieder...
Oder doch? Ihr Glaube! Hoch zu den Sternen
Mit der Morgenröte erhoben,
Sie wie Zugvögel sich entfernen,
Gottes menschgewordenen Sohn loben.
Und als edelste Ritter seiner Engelscharen,
Wie leuchtende Sterne vom Himmel treten;
Dann werden Peiniger vor Grauen erstarren
Und herzlose Steine vor Scham erröten!
Auf den Zweigen in den Blättern
Schaukelt der Sperling grau und stumpfnasig
Gar nicht poetisch herrlich;
Trotzt allen Zeiten und trotzt allen Wettern
Kein König, kein Ritter, kein Graf...
Schmal seine Heimat, die Nehrung,
Zwischen Ostsee und Haff.
Bald verjagen die Winde den Fischer,
Schwalben und Störche ziehen nach Süden,
Die Hirsche verziehen sich in die Büsche,
Wetzend zum Kampfe ihre Geweihe,
Und ängstlich die Hasen hüben und drüben...
Grau und stumpfnasig hält der Sperling
Rossitten und Nehrung die Treue.
Eine weiße Katze, flink wie der Blitz,
Bin immer nett zu ihr
Und sage: „Moin Miesmies!“
Wenn sie mal wieder miaut vor der Tür.
Ihr Zuhause und ihre Kleinen
Im preußischen Felde zwischen Ziegelsteinen.
Im wuchernden Unkraut, bei zwitschernden Spatzen
Finden ihr Glück die königsberger Katzen,
Da wo nachts die Sterne am hellsten scheinen.
Verwehrt, verboten -
Denn die Friedhöfe sind platt gemacht;
Doch kommt ein Gast auf weichen Katzenpfoten
Und sucht die Seinen mitten in der Nacht.
Unheimlich das!
Sein Blick im Distelkraut versucht zu orten
Die Ruhestätten der einst Lebenden und Toten
Im längst verdorrten Gras;
Nicht Gott gewollten! - Schmach,
Elend, Leid und Menschenhass.
Auch wenn der Mensch nur schwach,
Ist jedes Schicksal doch in Gotteshand,
In Gottes Licht.
Vergiss es nicht!
Du armes liebes Preußenland.
Ein welkes Blatt
Fiel in das Brackwasser und fror;
Und friert die Deime, die Gilge und die Atmath...
Der Sand der Nehrung klammert sich am Sandrohr,
Wie Ureinwohner von Sarkau oder Nidden...
vertrieben;
Für Preußen gab es kein Zuhause, keinen Frieden.
Bei Heydekrug, im Moor,
Heulten Wölfe (als ob Wölfe Unrecht fühlen!);
Auch der Aal kann nicht zurück zum Kurischen Haff:
Zu schwach, erschöpft und ohne Willen...
Er hat es irgendwie geschafft,
Aus letzter Kraft,
Zur Sargassosee, bei den Antillen.
Erkennen immer noch die Ostsee-Wogen
Ehrwürdiger Städte alte Namen,
Der Kähne und der schnellen Koggen,
Bunte Wimpel und alte Fahnen.
Und immer noch hält Stand,
Das Sandrohr in den Dünen unsrer Ahnen,
Im Preußenland!
Mit der Zigeunerin in bunten Tüchern
Ein Rüde
Bleibt vor den Büchern
Stehen.
Blickt müde,
Unsicher und unentschieden
Auf Leo, -
Riesig! Für immer seinen Idealen treu,-
Graf Tolstoj;
Ein faszinierendes Buch vom Krieg und Frieden!
Ein Reuße.
Doch ganz gewiss
Kein Panslawist:
Die Preußen hat er nicht vertrieben.
Der Städte Namen und der Preußen Orte
Nicht gelöscht und nicht verboten
Das liebe Preußenland.
Bis zum Rand,
Der Tisch ist übervoll,
Fast bricht...
(Der Hund ist zahm)
Seit langem wiedermal im Tageslicht
Der Königsberger Immanuel Kant;
Höchst aktuell und sehr interessant!
Nebenbei auch Kram...
Und über Allem eine Prise Trauer
Des Danzigers Arthur Schopenhauer...
Schenkendorff, Gottlob:-
Die Freiheit, die ich meine...
Und Heinrich Heine!
In diesen Büchern wird gekämpft, getobt,
Philosophiert,
Moralisiert,
Gehofft, geglaubt, geliebt, betrogen......
Und die Zigeunerin mit ihrem schwarzen Rüden
Ist in Gedanken zwischen Tilsit und Tauroggen
Und schmuggelt Lerchenlieder;
Für die Poeten
Und für Preußen – wie Recht und Frieden!
Für dieses wunderschöne Land und seine Städte,
Vertriebener Ureinwohner – ein Märchen!
Für alle seine Viecher
Das Trillern der Lerchen.
Immer wieder
Die Stimmen unser aller Dichter.
Auf dem Flohmarkt
Lieblingsbücher eines Pommern
Für einen Euro ein Band,
Ein Werk;
Der Pommer musste in das Pflegeheim
In diesem Sommer.
Ein Graus
Und teuer!
Er träumt dort tagelang vom Haus
In seiner Heimatstadt in Kolberg
Und nervt Betreuer.
Paar Zeilen kritzeln von einem fernen Stern,
Mit einer Mondpostkarte vielleicht beglücken
Die schöne Dame auf den Steinen bei Warnicken,
Einer wie ein schwarzer Pudel kraushaarigen Seejungfer.
Im wilden Walde
Den kleinen Krasmarlüttchen in den Erdhöhlen
Paar nette Worte... Paar Grüße mehr
Auch der versteinerten Guste Balde,
Einer der Marjellen
In Bartenstein...
Ein Gruß dem Slomspetters in der Niederung Teichen:
Der Wassermann ist stur,
Hat keine Lust auf Streiche
Wie einst in alten Zeiten,
Ist aber immer noch gesund,
Wie Preußens Sagen-Welt...
Nur den gruseligen Pillauer Hund
Am besten meiden...
Man kann sie finden
Preußens große Eichen, Buchen, Linden;
Sie haben ihren Platz und Raum
Im Schicksal Preußenlands,
Nicht zu übersehen, wie Copernikus und Kant!
Zu finden kaum
Ist eine unsichtbare Fee
In dem verwilderten Obstgarten,
Ein alter krummer Apfelbaum.
Es bleibt zu warten
Oder eine neue Suche starten.
Die reifen Früchte locken,
Das Herz erquicken...
Doch vor der Straße hocken
Frauen
Und hüten mit strengen Blicken
Von den Versuchungen des Apfel-Klauens.
Im Universum leuchten wunderbare Uhren:
Fürs Ermland, Samland und die Tucheler Heide,
Für Königsberg und Memel, Barten und Masuren...
Fürs schöne Preußenland - noch lange-lange Zeiten.
Keiner kann zerstören und entwenden
Die zuverlässigste Uhren aller Tage;
Sie bringen uns zusammen, sie trennen
Und stellen Fragen.
Justibalde und Bartel, es sei zu erwähnen,
Suchten in Balga vermisste Tanten
Und heulten und weinten bittere Tränen
Hinab in das Haff um ihre Verwandte...
Um Herzog Albrecht, den sie seinerzeit kannten...
Um junge Preußen und um Preußen uralte,
Um ängstliche, tapfere, Große und Kleine...
Justibalde und Bartel aus rötlichem Steine
Stehen im Regen und heulen und weinen...
Sing von den drei Fischlein im Netz,
Von der Königin traurigem Herz...
Vom Schloss, dass in Himmel ragt...
Die Königin, sie aß ein Fisch...
Die Katze auch und die Magd...
Das Märchen vom Prinz Katt.
Vom Glück eines Königspaars,
Das drei tapfere Söhne hat...
Vom großen Hochzeitstisch...
Von den Schwiegersöhnen
Und den Töchtern der Tiersch,
Von der alten Tiersch.
Mit den scharfen Zähnen...
In Samlands Himmel, tief-
Ein winziger Fleck...
Die Lerche singt... „Driw, Peterke, driw!
Hest e gode Wört, denn bliww! Os he schlömm,
Denn teh wit, wit, wit... weg, weg, weg“...
Es ist nicht Gottes Strafe, wenn ein Tyrann am Werk,
Der Wehrlose ermordet blutrünstig, gnadenlos,
Treibt Ureinwohner (...aus Memel, Danzig, Königsberg),
Verbietet die Erinnerung und macht Heimatlos.
Selbstgerecht die Finsternis in Menschenherzen irrt,
Wo plötzlich Hoffnung, Glaube, Liebe – alles weg!
Nur ein monströser breiter Weg, der ins Verderben führt;
Gäbe es da nicht - Gott sei Dank! Erbarmen und Respekt.
Aus dem Fluss der Vorfahren einen kühlen Schluck,
Mit Max von Schenkendorff in unsren Wäldern bangen...
Auch um den Letzten seines Volkes, Große Schlange,
Den Delawaren-Häuptling Chingachgook...
Kyros der Perse, als er den Babylonien-Krieg gewann,
Lies die entwurzelten Juden ziehen vom Euphrat,
Nach siebzig Jahren zurück zum alten Jordan...
Und nach Jerusalem, in die so lang verwaiste Stadt.
Glücklich starrten sie in Himmelshöhen. Es war so schön!
Fräulein Pomuchel beim Erforschen
So mancher Wunder
Von Schollen und Flundern,
Maränen und Dorschen,
Funkeln die Augen smaragdgrün.
Lächelnd streut sie, zum Verschenken,
Mit den Augen teure Sternlein,
Die die Fische horten gerne
In geheimen Ostseesenken,
So wie Bernstein, Amethyste,
In die alten schweren Kisten,
Herrenlose Heringtonnen,
Irgendwo an Preußens Küste
Aus dem Wasser und der Sonne,
Bei Palmnicken oder Cranz,
Pomuchels teuren Augenglanz,
Schöner als des Stinthengsts Krone.
„...daß der Graf Postpferde von Eylau nach
Allenburg genommen... Auf dem kleinen Wege von Allenburg nach Tilsit schien
indessen dem jungen Advokaten, daß man die Lösung des Rätsels suchen müsse.
...traf er einst an einem regnichten Abend mit der Gräfin in dem kleinen
Landstädtchen Insterburg ein.“
E.T.A. Hoffmann. Meister Johannes Wacht
AUF DER ALTEN REICHSSTRAßE 1
Um nachzuvollziehen große Taten,
Unterwegs ein dichtender Kater
Zum Thron aus römischen Marmorplatten
Des Charlemagne Kaisers - Karl des Großen;
Noch lang der Weg des kleine Preußen
Von Eydkuhnen nach Aachen.
Der Kater schreibt in deutscher Sprache
Von E.T.A. Hoffmanns Urgroßvater...
...Soldaten, Zivilen...
Herren und Frauen...
Ännchen von Tarau
Voller zarter Gefühle..
Königin Luise von Preußen im Trauer...
Martin Luthers Tochter Margarete...
Zerrissene Perlenkette...
Getrennte Städte...
Wenig Sicht.
Zwischen Mühlhausen und Preußisch Eylau
Eine kleine Gaststätte.
Schwaches Licht.
Briefe von Zuhause von Eule und Uhu gut tun,
Er vermisst das Quaken der Frösche von Eydkuhnen.
Einst stritten Katholiken und die Lutheraner,
Die Preußen - Herzog Albrechts Untertanen,
Ums älteste Lutherische Land der Welt:-
Doch wer konnte damals ahnen,
Dass im 20. Jahrhundert
Nichts christliches mehr zählt...
Kein Recht der Ahnen!
Die Ureinwohner verbannt,
Ihr viele Tausend Jahre altes Werk -
Ihr Preußenland,
Ihr altes wunderschöne Königsberg -
Zerstört.
Und dieser Name – Kalininogradsky,
Vor dem es die meisten Erdbewohner graut;
Das ferne Petropawlowsk-Kamtschatski
Ist menschlich näher und tausendmal vertrauter,
Wenn auch russisch-ortodoxer
Schon seit James Cook und Georg Forster.
Gelandet im kalten Pillau,
Lief sie nach Peyse,
Nach Ziegelau, nach Rosenau
Und scheuchte Mäuse;
Versteckte sich weiter
Ohne Begleiter
In Speicherdorf und in Kummertau...
Am Unteren Fischmark
In der Wassergasse
Staunte sie stark
Als streunende Hunde ihr Essen fraßen.
Die, der Schwarzfußkatze
Auf den zierlichen Tatzen,
Höhnend befohlen
Schweigen und warten
Unterm Holunder im Königsgarten
Auf Frau Holle.
Doch da begannen die Katzen von der Honigbrücke
Auf die Köter zu rücken
Bis die sich verdrückten.
Und die Katzen miauten voller Entzücken:
“ Wir möchten, daß alle wissen
Wie sehr wir vermissten
Unsere Schwartzfußkatzenprinzessin!“
Die Kindertage haben sich verflüchtet...
Nun kommt s nicht vor,
Daß man Königstöchter sichtet
Im Kakschener Moor.
Der Moorprinz verbleibt im Sumpf
Mit Molchen und mit Salamandern,
Schläft und atmet dumpf...
Prachtvoll und kein wenig anders
Weiße Wollblumen und rotes Heidekraut,
Wie ein zauberhaftes Tuch,
So dicht.
Und ein gelber Falter, bekannt und vertraut,
Lockt zum Moosbruch
Mit Flügeln wie Gold im Licht.
Voll mit Lob
In wenig Worten,
Die Berliner waren Kenner feiner
Birnen, Apfelsorten
Und des Honigs aus dem Samland.
Weiße Stettiner genannt -
Gülderlinge, Gravensteiner
Kamen mit den großen Kähnen;
Das Aroma edler Früchte
Klebte an den Kinderzähnen,
Omas Kuchen und Gerüchten.
Die frommen Träume, die wir hatten,
Sind immer noch vorhanden, wie Fische
Im Haff und machen keinen Zoff.
Doch fehlt Champagner und der Hasenbraten
An E.T.A. Hoffmanns Tische
Des Kneiphöfschen Junkerhoffs.
Es gibt kein Pickenick,
Wie er ihn gerne hätte,
Mit Königsberger sanfter Turmmusik...
Vom Schlossturm ertönen keine Clarinetten...
Doch über Königsberg die silberne Engelschar
Trägt aus Himmelsferne,
Gleich einem Sterne,
In zwölfter Stunde das Neue Jahr!
Quelle:
"Lebensansichten des Katers Murr"
Der Autor K. Mur ist ostpreußischer Herkunft,
möchte aber seinen wirklichen Namen nicht nennen.
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