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„Jenseits von Aufrechnung und Verdrängung“
Symposion zu Vertreibung und Vertriebenen am 14. und 15. Nov. 2008
Ein Beitrag von Christoph Sitzenfrei

War es bis vor einigen Jahren durchaus berechtigt, davon zu sprechen, daß Forschungen zu Flucht, Vertreibung und Vertriebenenintegration vergleichsweise wenig Konjunktur besitzen, so kann davon mittlerweile keine Rede mehr sein. Dieser Trend korrespondiert mit einem signifikant steigenden öffentlichen Interesse an solchen Themen – etwa abzulesen am großen Erfolg der Ausstellungen „Flucht, Vertreibung, Integration“ des Bonner Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bzw. „Erzwungene Wege“ der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ in Berlin sowie den hohen Einschaltquoten für den ARD-Zweiteiler „Die Flucht“ mit Maria Furtwängler als fiktive ostpreußische Gräfin Lena von Mahlberg – wie auch überwiegend publizistisch und häufig emotional geführten Auseinandersetzungen um den Stellenwert der Erinnerung an Flucht, Vertreibung und Vertriebenenintegration in der nationalen Erinnerungskultur der Bundesrepublik Deutschland.

Das internationale Symposion „Jenseits von Aufrechnung und Verdrängung. Neue Forschungen zu Vertreibung und Vertriebenen“, veranstaltet vom Lehrstuhl für Neueste Geschichte der Universität Würzburg in Zusammenarbeit mit der Ranke-Gesellschaft und der Stiftung Kulturwerk Schlesien, welches am 14. und 15. November 2008 im Toscana-Saal der Würzburger Residenz stattfand, hat sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Versachlichung dieser Thematik beizutragen. PD Dr. Matthias Stickler, dem Organisation und Tagungsleitung oblagen, hat 2004 seine Habilitationschrift zum Thema „’Ostdeutsch heißt Gesamtdeutsch’ – Organisation, Selbstverständnis und heimatpolitische Zielsetzungen der deutschen Vertriebenenverbände 1949-1972“ als Buch veröffentlicht und forscht seither intensiv weiter auf diesem Felde. Bei der Auswahl der Referenten wurde ganz bewußt das Ziel verfolgt, ausgewiesene Experten mit Nachwuchshistorikern, die sich in der Promotionsphase befinden, zusammenzubringen, damit diese im Wege der fachlichen Diskussion vertiefte Anregungen und Hilfestellungen für die eigenen Forschungen erhalten können. Wichtig war auch die Gewinnung ausländischer Referenten, um eine deutsche „Nabelschau“ zu vermeiden.

Als erster Referent behandelte Dr. Gilad Margalit (Universität Haifa, Israel) das Thema „Hans-Christoph Seebohm und sein Versuch der Universalisierung der Vertreibungsfrage während des Kalten Kriegs“. Seebohm, von 1949 bis 1966 Bundesminister für Verkehr und seit 1959 Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, war bekannt für seine „Sonntagsreden“, in denen er sich vehement für eine Revision der Oder-Neiße Linie aussprach und auch die Grenzen der 1945 wiederhergestellten Tschechoslowakei in Frage stellte. Margalit legte dar, wie die Sudetendeutsche Landsmannschaft letztlich vergeblich versuchte, in der arabischen Welt Unterstützung für ihre ostpolitischen Konzepte zu erhalten. Adenauer und später auch Erhard hätten trotz heftiger Kritik von außen und der Tatsache, daß sie beide Seebohms Ansichten ablehnten, vor allem deshalb an ihm festgehalten, weil sie das Wählerpotential der Vertriebenen ausschöpfen wollten.

Dr. Małgorzata świder (Universität Oppeln, Polen) sprach in ihrem Vortrag über die „Entgermanisierung Oberschlesiens“ bzw. konkret des Oppelner Schlesien, nach 1945, d.h. den Versuch, nicht nur die deutsche Bevölkerung zu vertreiben, sondern darüber hinaus die kulturellen Erinnerungen an die deutschen Bewohner auszulöschen. Dies zeigte sie vor allem anhand der Polonisierung deutscher Namen. Ab 1947 verstärkten sich diese Bestrebungen noch vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheiten in Polen, ob die Oder-Neiße-Linie wirklich dauerhaft Bestand haben werde. Der Erfolg dieser Maßnahmen war aus damaliger polnischer Sicht indes letztlich unzureichend, auch aufgrund des passiven Widerstands insbesondere der autochthonen Bevölkerung im Oppelner Land.

Im Anschluß referierte Dr. Andreas Kossert (Deutsches Historisches Institut Warschau, Polen) über das Thema „Kalte Heimat – Die Geschichte einer schwierigen Ankunft“. Hierbei dekonstruierte er den Mythos von der schnellen und gelungenen Integration nachhaltig. „Kalte Heimat“, dieser Titel, der dem gleichnamigen, 2008 im Siedler-Verlag erschienenen Buch von Kossert entnommen ist, soll zum Ausdruck bringen, daß den Vertriebenen nach 1945 in ihrer neuen Heimat zunächst überwiegend Ablehnung und Feindschaft, bis hin zu implizit rassistisch motiviertem Haß entgegenschlug. Als die Integration der ungebetenen Neuankömmlinge dann in den 1950er Jahren eigentlich wider Erwarten gelang, wurde dieser Prozeß nachträglich verklärt, wobei alte Vorurteile allerdings unterschwellig weiterwirkten. Nachdrücklich forderte Kossert, alte ideologische Gräben zuzuschütten und die deutschen Vertriebenen endlich voraussetzungslos als Opfer anzuerkennen.

In seinem öffentlichen Abendvortrag am 14. November sprach Prof. em. Dr. Michael Salewski (Universität Kiel) über „Verweh(r)te Heimat – Kindheit, Flucht und das Gedächtnis der Nation“. Der Referent verkörperte als gebürtiger Ostpreuße und Historiker sozusagen die Schnittmenge von Zeitzeugenschaft und wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Thema „Vertreibung“. Er wies in seinen fulminanten und mit viel Beifall belohnten Ausführungen auf die insbesondere innerhalb der Vertriebenenverbände lange Zeit praktizierte, letztlich aber kontraproduktive Idealisierung der Vergangenheit der deutschen Ostgebiete hin. Ferner hob er die Verdienste der heimatvertriebenen Frauen bei der aus seiner Sicht im Ergebnis geglückten Integrationspolitik hervor und arbeitete die wichtige Rolle der Kriegskinder, also letztlich seiner Generation, heraus, die die Integration in die deutsche Nachkriegsgesellschaft vollendet habe, weil sie nicht mehr so von der Erinnerung an die alte Heimat geprägt gewesen sei wie die älteren Vertriebenen.

Am Folgetag wurde die Tagung fortgeführt mit einem Vortrag von Iris Thöres (Universität Würzburg) über die „Die Entstehung der ‚Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa‘ im Spannungsfeld von Wissenschaft und vertriebenenpolitischen Interessen“. Sie behandelte zum einen die Konflikte zwischen dem Bundesvertriebenenministerium und der von diesem beauftragten wissenschaftlichen Kommission um Theodor Schieder, die die Entstehung des Projektes erschwerten. Ein ursprünglich geplanter Abschlußband, der insbesondere die Vorgeschichte der Vertreibung breit abhandeln sollte, wurde deshalb nie veröffentlicht, weil das Ministerium die Gefahr sah, daß dieser als Rechtfertigung für die Vertreibung der Deutschen ausgelegt werden könne. Am Beispiel des Rumänien-Bandes konnte Frau Thöres die Probleme aufzeigen, die durch unprofessionelle Quellenrecherchen entstanden, aber auch, daß jene letztendlich gelöst wurden und so im Ergebnis ein wissenschaftlich tragfähiges Werk entstand.

Eva Dutz, M.A. (Universität Mainz) referierte anschließend zum Thema „Vertriebener Sozialdemokrat – Wenzel Jaksch und sein Verhältnis zur SPD nach 1948“. Jaksch, der zum Urgestein der sudetendeutschen Sozialdemokratie gehörte und von 1964 bis 1966 Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV) war, hatte nach 1945 immer wieder große Probleme innerhalb der SPD und hätte diese Ende der 1950er Jahre beinahe verlassen. Eine Wende zum Besseren hin schien in Sicht, als Willy Brandt und Herbert Wehner ab 1959 offensiv daran gingen, das Wählerpotential der Vertriebenen für die SPD zu gewinnen. Durch die „Bergneustädter Erklärung“ vom 23. Januar 1961 wurde allerdings nur scheinbar ein tragfähiges Fundament der Beziehungen zwischen der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der SPD geschaffen, weil sich innerhalb der Partei die Anhänger einer neuen Ostpolitik immer mehr durchsetzten. In einer Phase der dramatischen Verschlechterung des Verhältnisses des BdV zur SPD verstarb Jaksch am 27. November 1966.

Im abschließenden Vortrag behandelte Dr. Christian Lotz (Universität Leipzig) das Thema „Im erinnerungspolitischen Sog – Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung als Streitobjekt der Landsmannschaft Schlesien und der SED (1948-1972)“. Lotz legte anhand zweier „Beobachtungspunkte“ – Landsmannschaft Schlesien und SED bzw. deren Agitationsabteilung – insbesondere die Konkurrenz der Deutungen der Geschichte Schlesiens bzw. von Flucht und Vertreibung dar. Beide Seiten versuchten, durch Politisierung und Verallgemeinern von Einzelaspekten eine Deutungshoheit zu gewinnen. Der Bedeutungsverlust der Vertriebenenverbände habe keineswegs dazu geführt, daß die SED-Sichtweise in gleicher Weise an Deutungsmacht gewonnen hätte. Vielmehr sei ein wachsender Teil der deutschen Gesellschaft diesen Debatten schlicht mit Desinteresse begegnet. Das Beharrungsvermögen der Vertriebenenverbände in der Grenzfrage habe diesen insofern erinnerungspolitisch einen Pyrrhus-Sieg beschert.

Die Vorträge waren gut besucht; neben Mitgliedern bzw. Vertretern der Ranke-Gesellschaft und der Stiftung Kulturwerk Schlesien waren auch viele historisch interessierte Bürger sowie Professoren, Dozenten und Studierende der Universität Würzburg der Einladung der Veranstalter gefolgt.

Die Ergebnisse der Tagung werden in den Beiheften zu den Historischen Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft erscheinen.

Quelle:
 Schlesischer Kulturspiegel 43, 2008, Seite 56-57,
www.kulturwerk-schlesien.de/download/kulturspiegel/KS-OktoberDezember2008.pdf

_____________________________________
weitere Informationen:
http://www.kulturwerk-schlesien.de/;
www.kulturwerk-schlesien.de/aktuelles/veroeffentlichungen/kulturspiegel/2003/
;
http://www.ranke-gesellschaft.de/;
http://www.ranke-gesellschaft.de/tl_files/downloads/flyervertreibung5.pdf;


 

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