Home weitere Infos Inhalt / Suche Copyright Impressum Datenschutz

 

Handlanger ...

 


Mit uns im Dialog bleiben ...

... mit den ODF-Foren auf Yahoo ... auf YouTube ... auf twitter ... auf facebook ... auf meinVZ

weitere Infos


Preußische Allgemeine Zeitung
Preußische Allgemeine Zeitung - Klartext für Deutschland - 4 Wochen gratis testen - hier Klicken!


 

Handlanger des Holocaust

Die Deutschen waren die Mörder - aber auch viele Nichtdeutsche mordeten mit. Der Fall John Demjanjuk lenkt jetzt den Blick auf einen vernachlässigten Aspekt des Judenmords der Nationalsozialisten: Hitlers Häscher hatten willige Helfer für ihr Jahrtausendverbrechen - in fast allen Ländern Europas.
Von Georg Bönisch, Michael Sontheimer und Klaus Wiegrefe

In dem rumänischen Städtchen Hirsova an der Donau ergriffen Kämpfer der Eisernen Garde Ende 1940 den Kaufmann Alexandru Spiegel. Zunächst verprügelten die Faschisten den Juden, dann fesselten sie ihn an einen Pfahl. Die Wachen, die sich wegen der bitteren Kälte alle zwei Stunden abwechselten, holten Kinder aus der Schule, die den Unglücklichen mit Schneebällen bewarfen. In Socken stand er da. Als er seinen Kopf nicht mehr aufrecht halten konnte, klemmten seine Peiniger ihm ein Stück Holz zwischen Brust und Kinn. Der Tod war eine Erlösung für Alexandru Spiegel.

In Rumänien, wo vor dem Zweiten Weltkrieg der Antisemitismus laut Hannah Arendt am stärksten in Europa war, kam es schon vor der Allianz mit Nazi-Deutschland zu zahlreichen Mordexzessen gegen Juden. Als Legionäre unweit von Bukarest Juden ermordet hatten, hängten sie mehrere der Toten wie Vieh an Haken auf. Dazu stellten sie ein Schild: "Koscheres Fleisch zu verkaufen".

Wieviele Juden während des Zweiten Weltkriegs in Rumänien ermordeten wurden, ist umstritten. Die Schätzungen der Experten bewegen sich zwischen 200.000 und 400.000. Fest steht, dass die allermeisten ohne deutsches Zutun von Rumänen getötet wurden, "aus eigenem Antrieb", wie der Historiker Armin Heinen schreibt.

"Das war tägliche Arbeit"

Und in anderen Ländern rund um Deutschland herum war es nicht viel besser. Iwan Demjanjuk, der nun in München in Untersuchungshaft sitzt, stammt aus der Ukraine und zählte offensichtlich zu den "Trawniki" genannten Handlangern des Holocaust. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum Mord an mindestens 29.000 Juden im Vernichtungslager Sobibor vor. Der inzwischen verstorbene ehemalige Trawniki Ignat Daniltschenko hat 1949 und 1979 bekundet, Demjanjuk sei ein "erfahrener und effizienter Wachmann" gewesen, der Juden in die Gaskammer getrieben habe - "das war tägliche Arbeit".

Mit Demjanjuk geraten nun auch die nichtdeutschen Täter stärker in den Fokus: ukrainische Gendarmen und lettische Hilfspolizisten, rumänische Soldaten oder ungarische Eisenbahner. Auch polnische Bauern, niederländische Katasterbeamte, französische Bürgermeister, norwegische Minister, italienische Soldaten - viele haben mitgemacht bei dem Jahrtausendverbrechen schlechthin, dem Holocaust. Auf über 200.000 schätzt der Historiker Dieter Pohl vom Institut für Zeitgeschichte die Zahl der Nichtdeutschen, die die "Mordaktionen vorbereiteten, durchführten und unterstützten" - ungefähr genauso viele wie Deutsche.

Und oft standen sie den SS-Schergen und Wehrmachtsoldaten an Grausamkeit in nichts nach. Baltische Mordkommandos wüteten im deutschen Auftrag in Lettland, Litauen, Weißrussland und der Ukraine. Den deutschen Einsatzgruppen zwischen Warschau und Minsk fiel es gewöhnlich nicht schwer, die nichtjüdische Bevölkerung zu Pogromen anzustacheln.

Ein "europäisches Projekt"?

Niemand kann das Faktum bezweifeln, dass es den Holocaust ohne Hitler, Himmler, Heydrich und die vielen, vielen deutschen Volksgenossen, die ihn exekutierten, nie gegeben hätte. Ebenso unstrittig ist allerdings auch, "dass die Deutschen den millionenfachen Mord an den europäischen Juden nicht allein hätten bewerkstelligen können", konstatiert der Hamburger Historiker Michael Wildt.

Auf den Totenfeldern in Osteuropa kamen auf einen deutschen Polizisten bis zu zehn einheimische Hilfskräfte. Ähnlich war das Zahlenverhältnis in den Vernichtungslagern. Zwar nicht in Auschwitz, das fast ausschließlich von Deutschen betrieben wurde, wohl aber in Belzec, Treblinka oder eben Sobibor, wo mutmaßlich John Demjanjuk wütete. Dort standen einer Handvoll SS-Leute ungefähr 120 Trawniki zur Seite. Ohne diese hätten es die Deutschen "niemals geschafft", in Sobibor 250.000 Juden umzubringen, urteilt ein Überlebender. Es waren die Trawniki, die das Lager bewachten, die Juden nach ihrer Ankunft aus den Waggons und von den Lastwagen trieben, sie in die Gaskammer prügelten.

Vor diesem Hintergrund stellt sich eine Frage, die der Berliner Historiker Götz Aly schon vor Jahren formuliert hat: Handelt es sich bei der "Endlösung der Judenfrage" womöglich um ein "europäisches Projekt, das sich nicht allein aus den speziellen Voraussetzungen der deutschen Geschichte klären lässt"?

Opfer? Täter? Beides?

Erst spät - als die meisten Täter schon tot waren - begannen Franzosen oder Niederländer, diesen Teil ihrer Geschichte umfassend aufzuarbeiten. Andere, wie die Ukrainer oder Litauer, verweigern sich bis heute dieser Aufgabe, oder sie stehen wie Rumänien, Ungarn und Polen noch am Anfang.

Seit dem Ende des Krieges sahen die von Hitlers Wehrmacht Überfallenen sich und ihre vielfach verwüsteten Länder - zu Recht - als Opfer. Dass dennoch Landsleute den deutschen Tätern zur Hand gingen, passt einfach nicht in dieses bequeme Bild.

Die Letten haben, nach den Recherchen des amerikanischen Holocaust-Historikers Raul Hilberg, pro Kopf der Bevölkerung die meisten Täter aufzuweisen. Von den niederländischen Juden überlebten gerade einmal 9 Prozent. Stellt der Holocaust also nicht nur den Tiefpunkt der deutschen, "sondern eben auch der europäischen Geschichte" dar, wie es Historiker Aly formuliert?

Siebeneinhalb Gulden Prämie für jeden Juden

Die Deutschen brauchten schon einheimische Helfer, um die Juden überhaupt zu identifizieren. Thomas Blatt, ein Überlebender von Sobibor, der als Nebenkläger in einem möglichen Prozess gegen Demjanjuk auftreten will, war damals ein blonder Junge. Er trug in seiner polnischen Heimatstadt Izbica keinen gelben Stern, aber wurde mehrfach verraten. Solche Denunziationen kamen in Polen so häufig vor, dass sich für bezahlte Tippgeber ein besonderer Begriff einbürgerte: "Szmalcowniki", ursprünglich eine Bezeichnung für Hehler.

In den Niederlanden zahlte die "Hausraterfassungsstelle", die dem "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg" zugeordnet war, für jeden identifizierten Juden 7,50 Gulden - das wären heute um die 40 Euro. Denunzianten sorgten dafür, dass allein in den Monaten März bis Juni des Jahres 1943 über 6.800 Juden aufgespürt und zumeist deportiert wurden.

Auch die Regierungen der mit Nazi-Deutschland verbündeten Länder - wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn - gingen zur Hand; am willigsten zeigten sich die der Slowaken und Kroaten, denen Hitler einen Staat geschenkt hatte. Die kroatischen Ustascha-Faschisten errichteten eigene Konzentrationslager, in denen Juden, so der Historiker Hilberg, "durch Typhus, Hunger, Erschießen, Folterung, Ertränken, Erstechen und Hammerschläge auf den Kopf" ums Leben kamen.

Training an lebenden Objekt

Als die SS an die Ermordung der polnischen Juden ging, rekrutierte sie bevorzugt unter Ukrainern und Volksdeutschen in Kriegsgefangenenlagern. Dort standen Rotarmisten wie Iwan Demjanjuk vor der Wahl, für die Deutschen zu töten oder selbst zu verhungern. Später stießen in zunehmendem Maße auch Freiwillige aus der Westukraine und aus Galizien zu diesen "Hilfswilligen".

Die Männer kamen nach Trawniki im Distrikt Lublin, wo SS-Männer sie auf dem Gelände einer ehemaligen Zuckerfabrik für ihren Todesjob trainierten. Mitte 1943 waren in Trawniki 3.700 Mann stationiert, später 5.000; sie trugen schwarze oder braune Uniformen. Die SS-Männer zeigten ihren Lehrlingen, wie man Razzien durchführt und Häftlinge traktiert - vorzugsweise am lebenden Objekt. Die Truppe fuhr in eine der Kleinstädte der Umgebung, prügelte Juden aus den Häusern und erschoss sie im Wald. Die deutschen Chefs setzten die Trawniki bei der Räumung von Ghettos ein und schließlich in den Vernichtungslagern; rund um die Uhr, in Acht-Stunden-Schichten.

Der Prozess gegen Demjanjuk wird der letzte große NS-Prozess auf deutschem Boden sein. In den nächsten Tagen werden Mediziner klären, ob - und wie lange am Tag - gegen Hitlers wohl letzten noch lebenden Schergen aus Sobibor verhandelt werden könnte.

Diejenigen, die in den Lagern unter Trawnikis wie Demjanjuk litten, empfinden keine Rachegefühle. Es reiche ihm, sagt der amerikanische Psychoanalytiker Jack Terry, wenn Demjanjuk "auch nur für einen Tag in einer Zelle hocken müsste". Terry saß als ganz junger Bursche im KZ Flossenbürg, als Demjanjuk dort Wache schob. Ihm sei es "egal, ob er ins Gefängnis muss oder nicht, der Prozess ist mir wichtig", sagt der Sobibor-Überlebende Thomas Blatt: "Ich will die Wahrheit." Demjanjuk, der bislang alles geleugnet hat, könnte als einer der letzten Täter Auskunft geben - und so Einblicke gewähren in die Hölle der Holocaust-Helfer.

Quelle:
Spiegel Online - Zeitgeschehen, 18.05.2009,
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/4143/handlanger_des...

Vernichtungslager Sobibor
http://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtungslager_Sobibor;
1939-1945 Sobibor
'http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/sobibor/index.html;

Diskutieren Sie diese Meldung in unserem Forum
_________________________________________________
weitere Informationen:
21.05.2009: Ukrainer fordern Freilassung von Demjanjuk
http://polskaweb.eu/ukraine-verlangt-freilassung-von-demjanjuk-5678889.html;
25.05.2009: Nationale Läuterung
www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M5e9db131a79.0.html?&tx...;
26.05.2009: Hitlers Helfer - "Spiegel" erhält Rückenwind aus Polen
http://polskaweb.eu/juedisches-historisches-institut-staerkt-spiegel-artikel-568898.html;


 

Medienarbeit über Grenzen hinweg
 
Beiträge von Ostpreußen-TV
jetzt auch als DVD-Video erhältlich

 

 

Seit dem 02.01.2005 sind Sie der 

. Besucher

Diese Netzseite ist optimiert für 800x600 / 1024x768 oder höher und 24 Bit Farbtiefe sowie MS-Internet Explorer 11.x oder höher.
Netscape ab 7.x oder andere Browser mit Einschränkungen verwendbar. - Soundkarte für Tonwiedergabe erforderlich.

www.ostdeutsches-forum.net/aktuelles/2009
  


Handlanger ... ... greifen Spiegel an


zur Landsmannschaft Ostpreußen

Ostpreußen
Erleben Sie Tradition
mit Zukunft

zur Preußischen Allgemeinen Zeitung / Das Ostpreußenblatt zum Preußischen Mediendienst

Die Träger des Ostdeutschen Diskussionsforums:

Bund junges Ostpreußen (BJO)

Arbeitsgemeinschaft Junge Gereration im BdV-NRW
Junge Generation
im BdV NRW

Landsmannschaft Ostpreußen
Landesgruppe Nordrhein-Westfalen e.V.
 
Ostpreußen-TV
über 4,5 Millionen Videoaufrufe

Landsmannschaft Ostpreußen - Landesgruppe NRW

Deutsch / German / allemand English / Englisch français / französisch      

Copyright © 2002-2018  Ostdeutsches Diskussionsforum (ODF)

Stand: 29. September 2018

zur Feed-Übersicht