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In Nebelgrau und Wind verweht das Glockenklingen,
Ich hör das Nachbarkind ein Krippenliedchen singen,
Wie strahlt aus fremden Haus bis hier der kerzenhelle,
Geschmückte Baum heraus.
Auf grauer Gartenschwelle
Liegt nadelgrün ein Zweig. Still hebe ich ihn auf,
Wie steigt erinnerungsreich sein Duft zu mir herauf.
O Kinderweihnachtstraum! O kettenbunte Fichte,
Funkelnd von goldnem Schaum, - verlöscht sind deine
Lichte,
Wie Schifferlied verhallt, verging, was wir verlassen,
Vinetas Mastenwald und seine Giebelgassen.
Aus tränenbittrem Meer, wo sie versunken schliefen,
Winken noch einmal her, die jene Glocken riefen.
Zerborstnen Domes Tor springt auf in goldnem Glühen
Und läßt den Himmelsflohr der Fenster neu erblühen,
Gleich stummer Kreatur von schwerem Bann befreit,
Ach, einen Herzschlag lang grüßt mich Vergangenheit.-
Die Nebentropfen sprühn, der Wind weht hohl
und kalt,
O Zweig, so frisch und grün, wie duftest du nach
Wald,
Erinnerung heißt dein Hauch, heißt Leid und Wanderfahrt,
Doch neue Heimat auch und bunte Gegenwart,
Heißt grüner Festeskranz und stiller Friedhofsbaum,-
Du Zweig bist Unterpfand, von Freundeshand gegeben,
Daß ich in diesem Land noch einmal darf erleben
Bei stillem Kerzenschein, geborgen mit den Meinen
Des Weihnachtsabends goldnen Traum.
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Text von Agnes Miegel
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