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Hermann Sudermann


Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Armand de Caulaincourt, Pawel Schuwalow und
Friedrich Graf Kleist von Nollendorf: Holzstich aus dem 19. Jahrhundert

»Die größte Dummheit meines Lebens«
Vor 200 Jahren willigte Napoleon in den von Metternich initiierten Waffenstillstand von Pläswitz ein.
von Heinz Magenheimer

Nach dem Scheitern von Napoleons Russlandfeldzug, dem Seitenwechsel Preußens und dem Ausbleiben einer Entscheidung im Frühjahrsfeldzug mit den Schlachten bei Großgörschen und Bautzen wünschte Österreichs Staatskanzler Klemens Wenzel Lothar von Metternich eine Auszeit in den Befreiungskriegen, um in Ruhe sondieren zu können, wie sich sein Land fürderhin am sinnvollsten und zweckdienlichsten verhalte. Beide Kriegsparteien stimmten dem von ihm initiierten Waffenstillstand von Pläswitz zu, um ihre Truppen nach dem für beide Seiten verlustreichen Frühjahrsfeldzug auffrischen zu können.

Am 1. Juni 1813 vereinbarten die französische Kriegspartei auf der einen Seite und die russisch-preußische auf der anderen eine zunächst eineinhalbtägige Waffenruhe. Das schlesische Dorf Pläswitz wurde zu einer neutralen Zone erklärt, in der die Unterhändler beider Seiten die Modalitäten eines etwas längerfristigen Waffenstillstandes ausarbeiten sollten. Frankreich wurde dabei durch dessen späteren Außenminister Armand de Caulaincourt vertreten, Russland durch den General und Diplomaten Pawel Schuwalow und Preußen durch den vormaligen Generaladjutanten des Königs Friedrich von Kleist. Der am 4. Juni abgeschlossene Waffenstillstand galt bis zum 20. Juli und wurde dann bis zum 10. August verlängert. Die Waffenstillstandslinie reichte von der Oder durch Schlesien bis zur böhmischen Grenze. Die preußische Armee unter General Gebhard Leberecht von Blücher setzte sich hinter der Katzbach, einem Nebenfluss der Oder, fest, während die russische Armee bis nach Polen zurück­wich. Bonaparte nahm in Sachsens Hauptstadt Dresden Quartier.

Der Franzosenkaiser hat die Vereinbarung später – wahrscheinlich zu Recht – als die größte Dummheit seines Lebens bezeichnet, denn die Zeit arbeitete für die Verbündeten. Letztere verstärkten nun ihren Druck auf Wien, endlich der antifranzösischen Koalition beizutreten, doch Metternich wollte freie Hand bewahren. Noch immer verfocht er den Standpunkt, dass ein zwar geschwächter, aber nicht besiegter Napoleon, der sich in das kontinentale Gleichgewicht integrierte und im Konzert der Mächte mitspielte, einem übermächtigen Zaren Alexander vorzuziehen sei. Er erkannte, dass eine Niederwerfung Bonapartes eine Vorherrschaft Alexanders auf dem Kontinent bedeuten würde. Er wollte daher den Druck auf den Korsen verstärken, damit dieser in einen dauerhaften Frieden einwilligte, der mit dem Gleichgewicht auf dem Kontinent vereinbar war und dem alle Parteien zustimmen konnten. Als Zugeständnis an die Patrioten im eigenen Lager, die einen Sturz Napoleons herbeiwünschten und denen auch Erzherzog Johann, der Bruder von Kaiser Franz, angehörte, wurde Johann Philipp von Stadion als Botschafter nach Sankt Petersburg entsandt, um die österreichische Position mit der des Zaren abzustimmen.

Trotz Metternichs Entgegenkommen versuchte Bonaparte zuerst Verhandlungen mit dem Zaren. Dabei waren Alexanders I. Forderungen viel weiterreichender als die des Österreichers. Gemeinsam mit Preußen und Schweden verlangte er nicht nur die Räumung aller rechtsrheinischen Gebiete, die Auflösung des Großherzogtums Warschau und die Rückgabe der illyrischen Gebiete, sondern auch das Ende der französischen Vorherrschaft in Holland, Spanien und Italien. Erst als der Russe seine Angebote abgelehnt hatte, versuchte Napoleon, mit Metternich zu einer Verständigung zu kommen. Hierfür lud er ihn zu einem Vieraugengespräch nach Dresden ein. Am 26. Juni war es soweit. Bonaparte zog alle Register seines Könnens. Er schmeichelte seinem Gegenüber, zog ihn scheinbar ins Vertrauen, doch als dies alles nicht half, griff er zur Einschüchterung und drohte Metternich unverhohlen, wobei er ihm vorwarf, vom Zaren bestochen zu sein. Doch Metternich bot ihm die Stirne, wich nicht zurück und erreichte schließlich, dass Napoleon die bewaffnete Vermittlung Österreichs akzeptierte, womit das Bündnis zwischen Schwiegersohn Napoleon und Schwiegervater Franz gelöst war. Als Bonaparte und Metternich, so weiß die Fama zu berichten, über die Brühlsche Terrasse schritten, ließ der Korse scheinbar achtlos seinen Hut fallen, doch Metternich ignorierte den Zwischenfall und stieg darüber, ein überdeutliches Zeichen.

Am darauffolgenden Tag wurde im Hauptquartier der Alliierten Alexander I. und Friedrich Wilhelm III. in Reichenbach ein preußisch-russisch-österreichisches Abkommen geschlossen. Metternich war es gelungen, den Zaren zu einem Abrücken seiner vorherigen Forderungen zu bewegen. In der Konvention von Reichenbach einigte man sich, nun nur noch einen Gebietsgewinn Preußens, die Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Hansestädte sowie den Verzicht Napoleons auf Illyrien und das Herzogtum Warschau zu fordern, dessen Existenz der Zar auf keinen Fall dulden wollte. Metternich sagte zu, dass Österreich im Falle der Ablehnung mit 150.000 Mann an die Seite der Verbündeten treten würde.

Am 12. Juli wurde im Einverständnis mit Bonaparte in Prag ein Friedenskongress eröffnet. Schon bald zeigte sich, dass der Franzose selbst zu Minimalkonzessionen nicht bereit war. Offenbar wollte er nur Zeit gewinnen. In der Zwischenzeit erreichte die schöne Wilhelmine von Sagan, die Herzensdame Metternichs, dass sich der Österreicher immer mehr der Position Russlands und Preußens näherte. Schließlich riss dem Staatskanzler die Geduld und er forderte Napoleon am 8. August ultimativ auf, bis zum Ende des Waffenstillstandes zwei Tage später die Forderungen zu erfüllen, auf die sich Österreich und die Alliierten in Reichenbach geeinigt hatten.

Bonapartes langjähriger Vertrauter Caulaincourt strebte wie Metternich nach einer Verständigung und versuchte bis zuletzt, seinen Kaiser dazu zu bewegen, auf das Ultimatum einzugehen. Napoleon befand sich in keiner schlechten Position und hätte bei geschickter Verhandlung möglicherweise noch manches für Frankreich erreichen können. Doch er ließ das Ultimatum verstreichen, worauf am 11. August 1813 die Würfel fielen. Österreich erklärte ihm den Krieg, so dass Bonaparte der mächtigsten je gegen ihn geschaffenen Koalition gegenüberstand. Nun mussten die Waffen entscheiden.
 

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt, Ausgabe 22/13, 01.06.2013

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