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Hermann Sudermann


Der lange Weg zur Befreiung
1813 fiel in der Völkerschlacht bei Leipzig die Entscheidung
von Rüdiger Ruhnau

Nicht erst nach den beiden letzten verlorenen Kriegen sahen sich die Deutschen mit ungeheuerlichen Forderungen nach Wiedergutmachung / Reparationen / Kriegsentschädigung konfrontiert. Auch die Forderungen des siegreichen Franzosenkaisers schienen schier grenzenlos. Vergeblich hatte Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein als leitender Minister in der preußischen Regierung versucht, von Napoleon eine Minderung der ungeheuren französischen Geldforderungen zu erreichen. 120 Millionen Franken Kriegsentschädigung, dazu die Unterhaltskosten für die östlich der Elbe stehenden 150.000 Mann Besatzungstruppen brachten Preußen an den Rand des Staatsbankrottes. In Danzig setzte Bonaparte seinen erfolgreichen General Rapp als Gouverneur ein, der eine ganze Million Franken alleine für sich beanspruchte. Dazu noch einmal zehn Millionen für den Korsen, und so ging es weiter. Die üppigen Feste der französischen Besatzungsoffiziere mußten von der Bevölkerung bezahlt werden. In Berlin war die Not so groß, daß im Jahre 1808 drei Viertel der neugeborenen Kinder starben, ältere Einwohner vor Hunger umkamen. Diese Verarmung und Ausbeutung machten das Volk reif zum Aufstand gegen die Besatzer.

In Ostpreußen appellierten die Stände an den König, eine allgemeine Landesbewaffnung anzuordnen. Friedrich Leopold v. Schrötter, seit 1795 Minister für Ost- und Westpreußen, entwickelte einen Plan, wie junge Männer zu bewaffnen und zu organisieren wären, und Scharnhorst ließ über seinen Adjutanten Clausewitz Schriften verbreiten, die den Boden zu einem Volkskrieg vorbereiteten. Als sich das spanische Volk in einem zähen Guerillakrieg gegen seine französischen Unterdrücker erhob, schrieb vom Stein in einem Bericht an den König: "... Die Erbitterung gegen einen übermütigen und räuberischen Feind ist auch in den preußischen Provinzen groß und wird sich, mit Kraft und gut geleitet, mit Erfolg äußern."

Aber noch zögerte Friedrich Wilhelm III., er trug die Verantwortung für den Staat. Alleine war Preußen viel zu schwach, es brauchte starke Verbündete. Man wußte in Preußen, daß die eigene Existenz von derjenigen Österreichs abhing, daß sich dieses wiederum nur durch einen kraftvollen Krieg gegen Frankreich behaupten konnte. Preußen war entschlossen, Österreich zur Seite zu stehen. Napoleon blieben die Aufstandspläne nicht verborgen, es gab genügend Zuträger, die mit der Besatzungsmacht liebäugelten. Am 16. Dezember 1808 wurde die Ächtung Steins in ganz Deutschland öffentlich plakatiert, sie stempelte den Reichsfreiherrn zum Gegner auf Leben und Tod:

"Der namens Stein, welcher Unruhen in Deutschland zu erregen sucht, ist zum Feinde Frankreichs und des Rheinbundes erklärt. Der besagte Stein wird überall, wo er durch unsre oder unserer Verbündeter Truppen erreicht werden kann, persönlich zur Haft gebracht. gez. Napoleon".

Noch in der Nacht floh Stein über das böhmische Gebirge nach Prag. Insgeheim von der Polizei überwacht, erhielt er Nachricht von Scharnhorst, daß Zar Alexander ihm gerne Asyl gewähre. Als Berater des Zaren wurde Freiherr vom Stein die Seele des Widerstandes gegen Frankreich. Er konnte die Russen, nach dem Rückzug der Großen Armee, zur Fortsetzung des Krieges bis zum Sturz Bonapartes überzeugen, ein Vorgang von historischer Bedeutung, denn immerhin hatte Zar Alexander bis zur Erreichung der preußischen Grenze mehr als die Hälfte seiner Truppen eingebüßt.

Österreich begann 1809 den Kampf gegen Napoleon. Man glaubte den Krieg wagen zu dürfen, da die Franzosen gerade anderweitig mit Kämpfen in Spanien beschäftigt waren. Erzherzog Karl, Bruder des Kaisers und Oberbefehlshaber der Armee, wandte sich in einem Aufruf "An die deutsche Nation", darin war zu lesen: "... Unsere Sache ist die Sache Deutschlands. Mit Österreich war Deutschland selbständig und glücklich. Nur durch Österreichs Beistand kann Deutschland wieder beides werden." Aber der Aufruf fand nicht den erwünschten Wiederhall, alleine zog Österreich in den Krieg. Bei Eggmühl, zwischen Regensburg und Landshut, siegte Bonaparte, hauptsächlich mit Hilfe der rheinbündischen Truppen Bayerns und Württembergs. Der Korse stürmte bis nach Wien, wo er am 13. Mai als Sieger einzog. Nur kurze Zeit später gelang den Österreichern ein überraschender Erfolg. Bei Aspern, östlich von Wien, wurden die Franzosen geschlagen. Wenn auch dieser Sieg nicht ausgenutzt wurde, so nagte er doch am Nimbus der Unbesiegbarkeit des Korsen. Im Frieden von Wien mußte Österreich Salzburg und das Innviertel an Bayern abtreten.

Das Habsburgerreich war erschöpft. Österreichs Diplomatie unter Metternich, geschmeidig in der Anpassung, ergriff daher gerne die Gelegenheit zur Verständigung mit dem Korsen. Napoleon warb um die Hand der Kaisertochter Marie-Luise, einer Nichte der Marie-Antoinette, die unter der Guillotine ihr Ende gefunden hatte. Bonapartes kinderlose Ehe mit Josefine Beauharnais wurde hierfür geschieden. Die Verheiratung mit einer Tochter ältesten fürstlichen Geblütes sollte dem vom Papst exkommunizierten Emporkömmling einen Anstrich adeliger Legitimität verleihen. Am 11. März 1810 fand in Wien die Hochzeit statt, kaum war der getötete Leib des Sandwirts aus dem Passeiertal in welscher Erde verscharrt worden. Der Freiheitskampf der Tiroler spielte sich im Rahmen des österreichisch-französischen Krieges ab. Unter der Führung Andreas Hofers, Speck- bachers und des Kapuzinerpaters Haspinger erhoben sich die Tiroler gegen die französisch-bayerische Herrschaft. In den Schlachten auf dem blutgetränkten Berg Isel bei Innsbruck schlugen die Bauern unter Hofers Führung den Gegner zunächst zurück, mußten sich aber dann der Übermacht der Feinde unterwerfen. Andreas Hofer flüchtete. Von einem Landsmann verraten, erschossen ihn die Franzosen in Mantua.

Während des Krieges in Österreich kam es auch in Preußen zu nationalen Erhebungen. Major Ferdinand von Schill bildete aus seinem Husarenregiment auf eigene Faust ein Freikorps. Für den König war Schill ein Deserteur, der die Monarchie gegenüber Napoleon ernstlich kompromittierte. Schill wollte die Bevölkerung zum Aufstand mitreißen, der erwartete Zulauf blieb aber aus. Es gelang ihm, Stralsund zu erobern, wo er vergebens auf englische Hilfe wartete. Mit rund 1.500 Kombattanten, darunter 500 Soldaten der Berliner Garnison, konnte er sich im harten Kampf gegen den französischen General Gratien nicht behaupten. Schill fiel im Straßenkampf in Stralsund. Elf seiner Offiziere wurden von einem französischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt und am 15. September 1809 in Wesel erschossen. Königin Luise, eine der wenigen, die zu Ferdinand von Schill gehalten hatten, starb am 19. Juli 1810 im Alter von 34 Jahren. Ganz Preußen trauerte mit dem König, sie war die stärkste Stütze ihres Mannes.

Friedrich Wilhelm III. hielt Bonaparte für unschlagbar, Preußen war gezwungen, mit dem Korsen ein ungeliebtes Bündnis einzugehen. Im Falle eines Krieges verpflichtete es sich, ein Hilfskorps von 20.000 Mann zu stellen, außerdem als Aufmarschgebiet gegen Rußland zu dienen. Die Empörung unter den Patrioten war so groß, daß Scharnhorst und Gneisenau ihre Rücktrittsgesuche einreichten. Sich an den Kriegen von Bezwingern, die zu Verbündeten wurden, unter deren Kommando mit eigenen Soldaten zu beteiligen stieß also auch schon im Deutschland des 19. Jahrhunderts auf Widerwillen.

Großbritannien, das seine Weltherrschaftspläne durch Napoleon gefährdet sah, war von Anfang an der Erzfeind Frankreichs. Durch die Sperrung der kontinentalen Häfen wollte Frankreich den englischen Handel treffen und so die britische Insel wirtschaftlich erdrosseln. Dem widersetzte sich aber das Zarenreich. Auf dem Umweg über Rußland hoffte Bonaparte, Großbritannien schlagen zu können. Mit einem Riesenheer von einer halben Million Kämpfern, darunter 200.000 Deutschen, marschierte der Korse im Sommer 1812 in Rußland ein. Ständig zurückweichend, lockten die Russen Napoleon bis Moskau. Als das erschöpfte Heer die Hauptstadt erreichte, ging Moskau in Flammen auf, der Korse mußte sich zum Rückzug entschließen. Inzwischen brach der russische Winter und damit das volle Unheil über die "Große Armee" herein. In andauernden Scharmützeln dezimiert, bei 20 Grad Kälte ohne passable Unterkünfte, schleppten sich halberfrorene Trupps über die russische Grenze zurück. Mehr als 200.000 Mann lagen unter Rußlands Schneefeldern begraben, man sah dies als ein Gottesgericht an. Nun war die Gelegenheit gekommen, auf die man in Preußen lange gewartet hatte.

Zar Alexander gewann immer mehr die Überzeugung, keinen Kompromißfrieden mit den Franzosen schließen, sondern der Ära Bonaparte ein für allemal ein Ende bereiten zu sollen. In dieser Haltung bestärkten ihn auch die deutschen Ratgeber. Freiherr vom Stein hatte in Petersburg ein "Deutsches Komitee" ins Leben gerufen. Unterstützt von Clausewitz, Dohna wie auch Ernst Moritz Arndt verfaßten diese Patrioten Flugblätter und Pamphlete, um auf das Yorksche Hilfskorps, das die nördliche Flanke der "Großen Armee" deckte, einzuwirken. Stein und Clausewitz kannten General Yorks spezifischen preußischen Patriotismus sehr gut, die Propa- ganda bearbeitete ihn, sich den russischen Streitkräften anzuschließen. Nach längerem Zögern - er wollte keinen Verrat an seinem König begehen - schloß York mit dem russischen General Diebitsch, selbst Preuße von Geburt, am 30. Dezember 1812 die Konvention von Tauroggen ab, Preußen und Russen hörten auf, Feinde zu sein.

Des Korsen Niederlage in Rußland wirkte wie ein Fanal auf andere Länder. Großbritannien erklärte sich sogleich bereit, jedem Land Gelder zu gewähren, das seine Waffen gegen Frankreich erhob. Inzwischen hatte der König seinen Sitz von Berlin nach Breslau verlegt, wo er sich sicherer fühlte. Sein anfänglicher Groll über Yorks eigenmächtigen Schritt legte sich bald, als er die überall losbrechende nationale Begeisterung sah, die stürmisch den Kampf gegen Bonarparte verlangte. Mit den Russen begannen nun schwierige Verhandlungen, die unter der Mitwirkung Steins zum Bündnis von Kalisch führten. Darin konnte Preußen seine Forderung auf Wiederherstellung der Grenzen von 1806 durchsetzen.

Am 10. März 1813 stiftete Friedrich Wilhelm III. den Orden des Eisernen Kreuzes. Während die Orden sonst aus edlem Metall bestanden, war in Preußen das Kreuz aus Eisen ein Zeichen der Armut des ausgeplünderten Staates. Bis zum heutigen Tage ist das von Schinkel gestaltete Eiserne Kreuz ein Symbol deutschen Soldatentums geblieben. Mit dem Aufruf "An mein Volk", verkündet am 17. März in der schlesischen Hauptstadt, setzte sich der Preußenkönig an die Spitze der Befreiungsbewegung: "So wenig für mein treues Volk, als für Deutsche, bedarf es einer Rechenschaft über die Ursachen des Krieges, welcher jetzt beginnt ..." Der Aufstand gegen den Usurpator wurde als Sache des ganzen Volkes betrachtet. Aus allen Berufsklassen strömten Freiwillige zusammen, um gegen die Franzosen zu kämpfen. Wer selbst keine Waffen tragen konnte, gab wenigstens Geld und Gut für die Ausrüstung der Soldaten. "Gold gab ich für Eisen" war die Losung der opferbereiten Bürger.

Über 50.000 Freiwillige meldeten sich zu den preußischen Fahnen, darunter auch Theodor Körner, Dramaturg am Wieder Burgtheater, der seine Stellung verließ, um als einfacher Soldat dem Lützowschen Freikorps beizutreten. Während die Rheinbundstaaten weiterhin auf seiten Napoleons blieben, konnten die verbündeten Preußen und Russen, dank der Teilnahme Österreichs, erstmals mehr Truppen aufbringen als der Franzosenkaiser. Sie stellten drei Heere auf: Die Böhmische Armee unter Schwarzenberg, die Schlesische Armee unter Blücher und die Nordarmee unter dem schwedischen Kronprinzen Bernadotte. Den nominellen Oberbefehl hatte der österreichische Feldmarschall Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg. Mit viel diplomatischem Geschick ertrug er die Anwesenheit der drei Souveräne in seinem Hauptquartier. Blücher rief in einem späteren Trinkspruch auf seinen Waffenbruder Schwarzenberg aus: "Auf das Wohlsein des Feldherrn, der drei Monarchen in seinem Quartier hatte und den Feind dennoch schlug."

Bisher hatten die drei Armeen erfolgreich einzeln gekämpft, nun rückten sie gemeinsam gegen Leipzig vor und versuchten, Bonaparte einzuschließen. In der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 errangen die Verbündeten zwar einen entscheidenden Sieg, versäumten es jedoch, den flüchtenden Korsen nach Frankreich hinein zu verfolgen, wie es Blüchers Absicht gewesen war. Am 19. Oktober hielten Friedrich Wilhelm III., Zar Alexander und Kaiser Franz ihren Einzug in Leipzig. Aber noch ein halbes Jahr der kriegerischen Auseinandersetzungen sollte vergehen, bis sie am 31. März 1814 auch als Sieger in Paris einziehen konnten.


Denkmal zur Schlacht
1913 erfolgte die Einweihung

Heute erinnert das 91 Meter hohe Völkerschlachtdenkmal in Leipzig an jene verlustreichen Kämpfe vor 190 Jahren. Der gewaltige Monumentalbau wurde zwischen 1898 und 1913 von dem Architekten Bruno Schmitz entworfen. Die Krypta in der 68 Meter hohen Kuppelhalle ist dem Gedächtnis der Gefallenen gewidmet. In einem Ausstellungsraum befinden sich historische Waffen und Uniformen sowie ein großes Diorama, das die Schlacht zeigt. R. R.
 


Völkerschlachtdenkmal in Leipzig:
Am 18. Oktober 1913 eingeweiht

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt, Ausgabe 42/03, 18.10.2003

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