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Hermann Sudermann


„In der Dorfkirche von Rogau“: Einsegnung des Freikorps Adolf Wilhelm von Lützows
 
»Lützows wilde, verwegene Jagd«

Vor 230 Jahren kam der Kommandeur des von Theodor Körner besungenen Freikorps zur Welt
von Manuel Ruoff

Die Bedeutung des Lützowschen Freikorps für die deutsche Nationalbewegung lag weniger in militärischen Erfolgen als vielmehr darin, dass hier Patrioten aus fast allen Teilen Deutschlands freiwillig und ohne Aussicht auf materielle Vorteile in preußische Dienste traten, um gemeinsam hinter den Linie des Feindes den gefährlichen, verlustreichen „kleinen Krieg“ gegen die napoleonische Fremdherrschaft aufzunehmen. Ihr Namensgeber und Kommandant war ein Freiherr von nur durchschnittlicher militärischer Begabung, aber dafür mit Mut und Ausstrahlung: Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow.

Weil das Deutsche Reich mit Otto von Bismarck vom preußischen Ministerpräsidenten geeint wurde und Preußen der Kernstaat des Deutschen Reiches war, neigt die borrussisch-kleindeutsche Geschichtsschreibung zu der Darstellung, dass Preußen von jeher der Nukleus der Nation, der Kernstaat Deutschlands gewesen sei. Letztere Eigenschaft besaß das Königreich jedoch frühestens seit den napoleonischen Kriegen. Insbesondere nach der Niederlage der süddeutschen Großmacht und traditionellen Führungsmacht in Deutschland im Fünften Koalitionskrieg von 1809 und dem anschließenden Wechsel an der Spitze des österreichischen Außenministeriums vom Idealisten Johann Philipp von Stadion zum Opportunisten Klemens Wenzel Lothar von Metternich wurde die norddeutsche Großmacht zu dem Hoffnungsträger deutscher Patrioten.

Dieser Umstand führte Preußen Idealisten aus fast allen Teilen Deutschlands zu, von denen auch das Lützowsche Freikorps geprägt war. Zu diesem gesamtdeutschen Freiwilligenverband zählten Angehörige aller Schichten und Klassen, darunter auch viele Dichter und Denker sowie Multiplikatoren, die neben ihren militärischen auch ihre geistigen Waffen in den Dienst des Korps stellten. Theodor KörnersLützows wilde Jagd“ wurde mit der schmissigen Melodie Carl Maria von Webers zum festen Bestandteil des deutschen Liedguts. Und die Uniformfarben wurden durch die Studenten unter den „schwarzen Gesellen“ – über einige Umwege (siehe Kasten) – zu Deutschlands Nationalfarben.

Bezeichnenderweise war denn auch der Namensgeber und Kommandeur des Lützowschen Freikorps ein Nichtpreuße. Der Freiherr Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow entstammte einem meck­lenburgischen Adelsgeschlecht. Allerdings war sein Vater Johann Adolph von Lützow ein preußischer Generalmajor und der Ort, an dem er am 18. Mai 1782 geboren wurde, die preußisch-brandenburgische Hauptstadt Berlin.

Wenn sich auch der spätere Freikorpskommandant zu einem unkonventionellen militärischen Führer entwickelte, so verlief die militärische Ausbildung des preußischen Offizierssohnes doch recht konventionell. Mit 13 Jahren begann seine militärische Laufbahn in der preußischen Armee. 1800 wurde er Offizier. 1804 wurde der leidenschaftliche und gute Reiter auf eigenen Wunsch zur Kavallerie versetzt.

Bei seiner Feuertaufe im Vierten Koalitionskrieg zeigte Lützow seinen bemerkenswerten Kampfeswillen. Obwohl in der Schlacht von Auerstedt 1806 verwundet, schlug er sich in die Festung Magdeburg durch. Als diese zu kapitulieren drohte, zog er über Kopenhagen ins belagerte Kolberg weiter, wo er einen Dragonerschwarm von Ferdinand von Schills Freikorps übernahm. Nachdem Preußen im Frieden von Tilsit 1807 den Kampf gegen den französischen Usurpator aufgegeben hatte, nahm Lützow, mittlerweile mit dem „Pour le Mérite“ ausgezeichnet und von diversen Verwundungen gezeichnet, aus gesundheitlichen Gründen den Abschied.

Als Schill 1809 den Kampf gegen die Franzosen wieder aufnahm, schloss Lützow sich diesem an und setzte sich entschieden für eine Fortsetzung des Kampfes ein. Nach einer schweren Verwundung in der Schlacht bei Dodendorf konnte er jedoch an Schills Feldzug nicht weiter teilnehmen, so dass er von der Teilnahme an der vernichtenden Niederlage des Freikorps in Stralsund verschont blieb. Erspart blieb ihm auch eine Verurteilung durch das Kriegsgericht Preußens, das sich ja mit Frankreich seit 1807 im Friedenszustand befand, da er nicht mehr der preußischen Armee angehörte und als Mecklenburger Ausländer war.

Vielmehr wurde Lützow nach der Genesung von seinen Verwundungen 1811 auf Betreiben der preußischen Heeresreformer wieder in die preußische Armee aufgenommen, um bei einem Ende des von Anfang an brüchigen Friedens mit Frankreich für einen Einsatz im Guerillakrieg zur Verfügung zu stehen. Hierzu prädestinierten ihn seine Erfahrungen an der Seite Schills.

Nachdem Johann David von Yorck Ende 1812 mit der Konvention von Tauroggen Preußens Seitenwechsel eingeleitet hatte, erhielt Schills Gefährte von einst auf Betreiben des preußischen Heeresreformers Gerhard Johann David von Scharnhorst im Februar 1813 vom Preußenkönig die Erlaubnis, ein „Königlich Preußisches Freikorps“ aufzustellen. Auftragsgemäß führte dieser schnell auf über 3.500 Mann anwachsende berühmteste deutsche Freiwilligenverband der Befreiungskriege hinter den feindlichen Linien das, was man damals „kleiner Krieg“ nannte und von dem heute unter der Bezeichnung „asymmetrischer Krieg“ gerne so getan wird, als wenn es eine völlig neue Herausforderung wäre.

Allerdings kämpfte das Freikorps in Uniform. Da aufgrund der allgemeinen Not Preußen sich außerstande sah, die Freiwilligen einzukleiden und dieses von ihnen selber auch nicht erwartet werden konnte, wurde versucht, der vorhandenen Kleidung ein halbwegs einheitliches Erscheinungsbild zu geben, beispielsweise durch Einfärben. Da sich hierfür Schwarz am ehesten eignet, wurde diese Farbe genommen. Dazu kam mit Messingknöpfen eine vergleichsweise leicht zu beschaffende Massenware. Für die Vorstöße wurde die Signalfarbe Rot gewählt.

Die Tragik der preußischen Reformer wie der deutschen Patrioten, dass für sie, nachdem sie in den Befreiungskriegen den deutschen Fürsten die Kastanien aus dem Feuer geholt hatten, galt: „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen“, spiegelt sich im weiteren Schicksal von Lützows Jägern. Sie wurden von der regulären preußischen Armee absorbiert. Ihr Freikorps wurde, nachdem der Sieg über Frankreich absehbar war, 1814 zerschlagen. Seine Infanterie wurde das 25. Infanterie-, seine Kavallerie das 6. Ulanenregiment. Zunächst behielten beide Regimenter Lützow als Kommandanten, dann nur noch die Ulanen.

Nach der Rückkehr Napoleons von Elba 1815 wurde Lützow an der Spitze des 6. Ulanenregiments einmal mehr verwundet und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Nach Bonapartes erneuter, diesmal endgültiger Niederlage führte Lützow das in Königsberg stationierte Regiment in die Heimat und kommandierte ab 1817 die 3. Kavalleriebrigade in Münster und ab 1830 die 6. Kavalleriebrigade in Torgau. Lützow wurde 1833 in den Ruhestand versetzt, zog nach Berlin um und starb dort am 6. Dezember 1834.


Wie aus der Uniform des Freikorps die Farben der Bundesrepublik wurden

Wie damals üblich führten auch die Ulanen des Lützowschen Freikorps zweifarbige Lanzenwimpel in den Farben der Uniform. Da dessen Tuch schwarz und die Vorstöße rot waren, waren die Wimpel schwarz-rot. Angeblich soll es schon während der Befreiungskriege eine auf dieser Farbkombination basierende schwarz-rote Seidenfahne gegeben haben, die Berliner Frauen dem Freikorps gestiftet haben sollen. Goldfarben sollen dabei die Fransen und die eingestickte Inschrift „Mit Gott fürs Vaterland!“ gewesen sein. Die Bitte, dieser Fahne den Status einer offiziellen Freikorpsfahne zu geben, soll der preußische König Friedrich Wilhelm III. aber mit der Begründung abgelehnt haben, dass andere Truppenteile auch keine eigene Fahne hätten und die vorgeschlagene zudem nicht den üblichen Konventionen entspreche.

Im Gegensatz zu dieser steht die Existenz der schwarz-roten Fahne der Jenaer Burschenschaft außer Frage. Nach den napoleonischen Kriegen nahmen viele der Lützower Jäger ein Studium auf, wobei sie im nunmehrigen Zivilleben ihre schwarzen Uniformen auftrugen. Vom überregionalen, gesamtdeutschen Geist des Lützowschen Freikorps beseelt, gründeten sie in Jena in Abgrenzung zu den Landsmannschaften eine überregionale, gesamtdeutsche Burschenschaft, die Urburschenschaft der deutschen Burschenschaften. Als deren Farben wählten sie Schwarz und Rot. Jenaer Frauen und Mädchen stifteten der Burschenschaft eine rot-schwarz-rote Fahne mit goldenen Fransen und einem eingestickten goldenen Eichenzweig. Diese Fahne besteht heute noch.

Allmählich entwickelte sich das Gold zur dritten gleichberechtigten Farbe neben Schwarz und Rot, und aus dem schwarz-roten Zweifarb wurde der Dreifarb Schwarz-Rot-Gold. Es ist nicht unplausibel, dieses als Spätfolge der französischen Revolution zu betrachten. Bis zu ihr waren in Europa zweifarbige Wappen und Fahnen üblich. Die Revolution brachte dann die dreifarbige Trikolore. In der Folge wählten diverse Nationalstaaten beziehungsweise Nationalbewegungen Trikoloren als ihr Zeichen. Und was lag näher als bei der Erweiterung des schwarz-roten Zweifarbs auf das Gold der Messingknöpfe zurückzugreifen?

Schwarz, Rot und Gold wurden zu den Farben der deutschen Nationalbewegung. Bereits auf dem Wartburgfest, zu dem die Jenaer Burschenschaft ihre Kommilitonen 1817 auf die Burg geladen hatte, waren schwarz-rot-goldene Kokarden zu sehen. Sowohl das Hambacher Fest von 1830 als auch die 48er Revolution fanden unter schwarz-rot-goldenen Fahnen statt. Die Nationalversammlung in der Paulskirche bestimmte Schwarz-Rot-Gold zu den Nationalfarben und der Deutsche Bund übernahm diese Farbkombination. Da es sich beim Deutschen Krieg um eine (von Österreich initiierte und gescheiterte) Bundesexekution gegen Preußen handelte, trugen Preußens Gegner in diesem Krieg zur Kennzeichnung als Bundestruppen schwarz-rot-goldene Armbinden.

Als Farben der 48er Revolution und der Gegner Preußens im Bruderkrieg von 1866 kam für Bismarck eine Einigung Deutschlands unter diesem Dreifarb nicht in Frage. Es ist bezeichnend dafür, wie gängig mittlerweile Trikoloren für neue (National-)

Staaten waren, dass auch er sich für eine entschied. Da Schwarz-Weiß-Rot anfänglich nur als Handelsflagge für den Norddeutschen Bund gedacht war und die Handelsmarine des Norddeutschen Bundes primär aus preußischen und Schiffen der Hansestädte bestand, ist die Erklärung plausibel, dass der Dreifarb von Norddeutschem Bund und Kaiserreich eine Kombination der Farben Preußens und der Hansestädte ist.

Die demokratische Weimarer Republik stellte sich mit der Wahl von Schwarz, Rot und Gold als Reichsfarben in die Tradition der bürgerlich-demokratischen 48er Revolution.

Die Nationalsozialisten ließen nach ihrer „Machtergreifung“ von 1933 ihre Hakenkreuzfahne hissen, erst aus Rücksicht gegen­über den Nationalkonservativen in Kombination mit Schwarz-Weiß-Rot, ab 1935 dann als alleinige Reichs-, National- und Handelsflagge.

Da Schwarz-Rot-Gold die Farben Weimars gewesen waren und diese im Gegensatz etwa zum Deutschlandlied nicht durch eine Verwendung durch die Nationalsozialisten als belastet galten, übernahm sie die Bundesrepublik ohne große Diskussion. Von christlicher Seite gab es zwar den Vorschlag eines Kreuzmotives nach skandinavischem Muster, aber schließlich blieb es bei der traditionellen Anordnung. Um die Herzen der nichtkommunistischen Deutschen nicht kampflos der Bundesrepublik zu überlassen und sich den deutschen Patrioten als der deutschere der beiden deutschen Staaten zu präsentieren, verzichtete die DDR vorerst auf eine kommunistische Staatsflagge, sondern übernahm wie die Bundesrepublik die Farben Weimars. Erst nachdem die Sowjetunion im Anschluss an das Scheitern der Stalin-Noten den Kampf um die Herzen der Deutschen aufgegeben hatte, machte das DDR-Regime wenige Jahre vor dem Bau der Berliner Mauer aus dem Nationalsymbol durch die Einfügung des Staatswappens eine Spalterflagge. Doch die ist wie die gesamte DDR mittlerweile Geschichte. Und heute weht wieder gemeinsam über Mittel- und Westdeutschland wie weiland 1848, in der Weimarer Zeit und 1949 bis 1959 der Dreifarb auf der Basis der Uniformfarben des Lützowschen Freikorps. - M.R.

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt,
Ausgabe 19/12, 12.05.2012

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Theodor Körner
Historienfilm 1813 - Deutschland 1932 - 73 Min.
Hinweise zum Film: https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Körner_(1932)
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=PcyEgFvkJWM

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